Das Geburtshaus von Adolf Hitler in Braunau am Inn soll abgerissen und an seiner Stelle ein neues Gebäude errichtet werden. Das sagte Österreichs Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) der Zeitung Die Presse. "Die Kellerplatte kann bleiben, aber es wird ein neues Gebäude errichtet."

Er folge damit einer Empfehlung einer Expertenkommission, sagte Sobotka. Das neue Gebäude solle von einer sozialen Einrichtung oder von Behörden genutzt werden. "Es wird keinen Wiedererkennungswert haben", sagte ein Sprecher des Ministeriums. Die Kommission habe in ihrem Abschlussbericht darauf hingewiesen, dass auch eine leerstehende Fläche nicht ratsam sei, weil dies eine Leugnung der österreichischen Geschichte implizieren könnte, hieß es in einer Erklärung des Ministeriums. In dem Haus hatte der Diktator (1889–1945) lediglich seine ersten Lebensjahre verbracht.

Damit wäre ein jahrelanger Rechtsstreit beigelegt. Österreichs Regierung hatte im Juli beschlossen, die Besitzerin des Gebäudes zu enteignen und ihr eine Entschädigung zu zahlen. Der Staat will sich so langfristig die Kontrolle über das Haus sichern, damit es nicht zu einem Pilgerort für Neonazis werden kann – die waren bereits seit Jahren immer wieder aus ganz Europa nach Braunau gekommen, um dort "Erinnerungsfotos" zu machen.

Sobotka kündigte an, er wolle die von der Regierung beschlossene Enteignung vom Parlament bestätigen lassen. Mieter des Hauses war seit Jahrzehnten der Staat, der dort eine Behindertenwerkstätte betrieb. Da sich die Besitzerin geweigert hatte, nötige Umbauten vorzunehmen, stand es seit Jahren leer. Zuletzt war immer wieder erörtert worden, ob Denkmalschutzauflagen – das gesamte Ensemble der sogenannten Salzburger Vorstadt in Braunau ist geschützt – einen Abriss verhindern könnten.