Rund 8.000 Menschen haben sich an einer Kundgebung zum zweijährigen Bestehens des islamfeindlichen Pegida-Bündnisses in Dresden beteiligt. Mehrere Hundert Menschen protestierten Schätzungen zufolge gegen den Aufmarsch. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Zu Zwischenfällen kam es offenbar nicht.

Als Redner trat auf dem symbolträchtigen Theaterplatz vor der Semperoper unter anderem der Österreichchef der Identitären Bewegung, Martin Sellner, auf. Die rechtsextreme Gruppierung wird in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet. Außerdem sprachen der Chefredakteur des neurechten Compact-Magazins, Jürgen Elsässer, sowie der Bundesvorsitzende der rechtspopulistischen Kleinpartei Die Freiheit, Michael Stürzenberger. Auch Pegida-Mitgründer Lutz Bachmann, der zurzeit in Dresden wegen Volksverhetzung vor Gericht steht, hielt eine Rede. Unter "Merkel muss weg"- und "Volksverräter"-Rufen wurde die Bundesregierung wegen ihrer Flüchtlingspolitik attackiert und ein Stopp der Zuwanderung gefordert.

Die Dresdner Versammlungsbehörde war vor den Demonstrationen kritisiert worden, weil Anmelder von Gegenprotesten zunächst nicht nah an die Pegida-Kundgebung herangelassen werden sollten. Angeblich war dies mit Hinweis auf eine islamistische Bedrohungslage begründet worden. Die Stadt wies dies zurück. Auch die Polizei twitterte, dass es keine konkreten Hinweise auf eine Anschlagsgefahr gebe.


Während der Pegida-Kundgebung wurde dann doch Protest in Hörweite zugelassen. Polizeibeamte aus mehreren Bundesländern sicherten die verschiedenen Kundgebungen ab. Bei Demonstrationen zum einjährigen Bestehen von Pegida war es im vergangenen Jahr zu gewalttätigen Zusammenstößen gekommen. Damals hatten beide Seiten noch jeweils 20.000 Menschen mobilisieren können.

Kritik an den sächsischen Polizei gab es trotzdem: Die Gegendemonstration vor dem Schlossplatz wurden heimlich gefilmt. Das schreibt unter anderem das Aktionsbündnis Buntes Dresden auf Twitter. Polizisten dürfen Versammlungen nur offen filmen und auch nur dann, wenn von den Demonstranten eine erkennbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgeht. Die sächsische Polizei distanzierte sich von dem Vorgehen und zog den Beamten ab.

Das fremdenfeindliche Bündnis der Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida) war am 20. Oktober 2014 in Dresden erstmals auf die Straße gegangen. Anfangs noch wenige Hundert, beteiligten sich im Januar 2015 bereits bis zu 25.000 Menschen an den sogenannten Abendspaziergängen. Nach internen Streitereien der Organisatoren ging die Zahl der Teilnehmer aber deutlich zurück: Im vergangenen halben Jahr brachte Pegida zwischen 2.000 und 3.000 Menschen auf die Straße. Zuletzt sorgten Pegida-Anhänger für Empörung, als sie am Einheitsfeiertag Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei den Festveranstaltungen in Dresden beschimpften.

Die Demonstration zum zweiten Jahrestag fand nicht wie ursprünglich erwartet am Montag statt, weil die Stadt an dem Tag ein Bürgerfest unter dem Motto "Dresden zeig Dich!" organisiert und damit ein Zeichen gegen Pegida setzen will. Die Polizei wird wieder mit einem Großaufgebot im Einsatz sein.