Nur langsam wird sichtbar, welch immensen Schaden Hurrikan Matthew in Haiti angerichtet hat. Viele betroffene Gebiete auf der Karibikinsel sind für Rettungskräfte noch immer nicht zugänglich, sagte Senator Hervé Fourcand. Schätzungen zufolge wurden mindestens 800 Menschen getötet, zudem sind nach der Katastrophe Zehntausende Menschen ohne Obdach.

Der Hurrikan trifft die bitterarme Insel besonders hart. Noch immer kämpft Haiti mit den Folgen des schweren Erdbebens vor sechs Jahren, als mehr als 200.000 Menschen getötet wurden. Von den Zerstörungen, die jetzt der Wirbelsturm Matthew mit sich brachte, ist laut dem UN-Büro für humanitäre Hilfe (Ocha) etwa die Hälfte der elf Millionen Haitianer betroffen.

Die Regierung von Haiti hat um internationale Hilfe gebeten, an der sich auch Deutschland beteiligen wird: Das Auswärtige Amt in Berlin gab umgehend 600.000 Euro als Soforthilfe frei. Mit dem Geld sollen deutsche Hilfsorganisationen unter anderem bei der Versorgung der Menschen mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln unterstützt werden. Ein Sprecher des Amtes sagte, möglicherweise werde der Betrag aufgestockt. Die Welthungerhilfe stellte 100.000 Euro bereit und entsandte Mitarbeiter nach Haiti.

Die USA hat ein Marineschiff mit Rettungs- und Wiederaufbauspezialisten entsandt. Die USS Mesa Verde habe Befehl erhalten, den humanitären Hilfseinsatz zu unterstützen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. An Bord sind 300 Marineinfanteristen sowie Transporthubschrauber. Zuvor hatten die US-Behörden bereits die Entsendung von 250 weiteren Soldaten und neun Hubschraubern in den Karibikstaat angekündigt.


Helfer, die bereits vor Ort sind, berichten von heftigen Regenfällen, die zahlreiche Straßen und Brücken unpassierbar machten. Es drohe eine Ausbreitung von Krankheiten wie Cholera oder Denguefieber.

Weil zudem in den besonders betroffenen Gebieten im Süden und Nordwesten durchschnittlich 80 Prozent der Ernte vernichtet wurden, befürchten Experten zudem eine Ernährungskrise. Laut UN-Angaben sind rund 350.000 Menschen auf rasche Hilfe angewiesen.

Notstand in drei US-Bundesstaaten ausgerufen

Derweil bewegte sich der Hurrikan auf die US-Ostküste zu, erste Ausläufer peitschten am Freitag mit Geschwindigkeiten von bis zu 195 Kilometern pro Stunde über Florida. Die Behörden riefen drei Millionen Menschen in den Bundesstaaten Florida, Georgia und South Carolina dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen. Aktuell ist der Sturm nicht auf Land getroffen, sondern bewegt sich an der Atlantikküste der USA entlang. Als besonders gefährdet gilt die Stadt Jacksonville, die in der Bahn des Wirbelsturms liegt.

Die Kraft des Hurrikans reichte dennoch aus, um Bäume auf Häuser stürzen zu lassen. Mehr als 800.000 Menschen waren zeitweise ohne Strom. 4.500 Flüge wurden bislang gestrichen, darunter alle von und nach Orlando. Meteorologen zufolge könnte es an den Küsten der Staaten Florida, Georgia und South Carolina weiterhin zu starkem Regen und Sturmfluten kommen. US-Präsident Barack Obama verkündete den Ausnahmezustand für die drei Bundesstaaten, was die unmittelbare Freigabe von Bundesmitteln für Notmaßnahmen ermöglichte.