Am zweiten Tag der Offensive auf Mossul haben irakische Soldaten die Stadt Karakosch eingenommen. Die Armee rückte nach eigenen Angaben kampflos in den früher fast ausschließlich von Christen bewohnten Ort südöstlich von Mossul ein. Die Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) seien zuvor geflohen, erklärte ein Militärsprecher.

Karakosch war einst eine der größten christlichen Städte im Irak. Die IS-Extremisten hatten den Ort seit August 2014 unter ihrer Kontrolle, nachdem sich kurdische Peschmerga von dort zurückgezogen hatten. Zehntausende Christen flohen damals vor den Extremisten.

Hunderte Christen im ganzen Irak feierten die Ankunft der irakischen Regierungstruppen in Karakosch. Auch wenn ihre Häuser zerstört seien, wollten die Einwohner in ihre Heimatstadt zurückkehren, sagte George Dschahola, ein christlicher Flüchtling aus Karakosch, der mit anderen in der kurdischen Regionalhauptstadt Erbil feierte. "Heute ist ein glücklicher Tag. Es gibt keinen Zweifel, dass unsere Heimat befreit wird, und wir danken Gott, Jesus Christus und der Jungfrau Maria", sagte ein anderer Flüchtling.

Es ist unklar, ob sich noch IS-Kämpfer in Karakosch befinden. Vor der Blitzoffensive der IS-Miliz im August 2014 lebten rund 50.000 Menschen in Karakosch. Der Vormarsch der sunnitischen Extremistengruppe zwang einen Großteil der Bewohner zur Flucht.

Wegen der Offensive auf Mossul bat der irakische Außenminister die internationale Gemeinschaft um weitere Unterstützung. "Wir befinden uns in einer finanziell schwierigen Situation", sagte Ibrahim al-Dschafari nach einem Treffen mit der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini. Die Öleinnahmen des Landes seien derzeit eingeschränkt, deshalb sei jegliche Unterstützung willkommen. "Der Erfolg der Militärkampagne wird sich positiv auf die Sicherheit im Irak und im Rest der Welt auswirken", sagte al-Dschafari weiter.

Die türkische Luftwaffe wird sich an der Befreiung von Mossul beteiligen. "Wir sind mit den Koalitionskräften übereingekommen, dass sich unsere Luftwaffe an der Mossul-Operation beteiligen wird", sagte Verteidigungsminister Fikri Işık nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Dienstagabend. "Es ist nicht möglich, ohne die Türkei über die Zukunft Mossuls zu entscheiden." Ministerpräsident Binali Yıldırım hatte am Dienstag mit Aussagen über eine türkische Beteiligung für Verwirrung gesorgt: zunächst sagt er, die Luftwaffe sei bereits an der Mossul-Operation beteiligt. Später berichtigte Yıldırım, sie werde teilnehmen, wenn es "notwendig" sei.

Einen Tag nach Beginn der Offensive hatte es bereits Berichte darüber gegeben, dass die Militäroperation ins Stocken geraten sei. Irakische und kurdische Offiziere teilten mit, dass der Vormarsch auf die vom IS kontrollierte irakische Großstadt unterbrochen werde. Ein Sprecher der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition sagte dagegen, dass die Militäroperation wie geplant fortgeführt werde. 

Mossul ist die letzte vom IS besetzte große Stadt im Irak. Armee, kurdische Peschmerga-Kämpfer und lokale sunnitische Milizen hatten am Montag eine lang erwartete gemeinsame Offensive auf die Stadt begonnen und schnell erste Orte eingenommen. Sollte Mossul zurückerobert werden, wäre die Terrormiliz in dem Land militärisch erheblich geschwächt.Die Stadt ist eine strategisch wichtige Stellung des IS im Irak, weil sie in der Nähe der syrischen und türkischen Grenze sowie nahe der autonomen kurdischen Region Nordirak liegt. Beobachter befürchten, dass die IS-Kämpfer nach einem Verlust der Stadt in den Untergrund gehen und den Irak so weiter destabilisieren könnten.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte, sich auf die Zeit nach der Eroberung Mossuls vorzubereiten. "Auch wenn wir nicht wissen, wie lange die Befreiung von Mossul vom IS dauern wird: Es ist wichtig, jetzt bereits für den Tag danach zu planen", sagte Steinmeier der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Deutschland hatte mit der irakischen Regierung bereits in Tikrit, Ramadi und Falludscha Stabilisierungsmaßnahmen durchgeführt, die die Rückkehr vieler vertriebener Einwohner ermöglichen sollten. Diese Stabilisierung sei ganz gut gelungen, so Steinmeier. Man habe gelernt, dass man schnell handeln müsse, damit die Vertriebenen Vertrauen schöpften, zurückkehrten und Perspektiven für ihr Leben hätten.

Das Auswärtige Amt und das Entwicklungsministerium haben dem Bericht zufolge 2016 bisher 33,5 Millionen Euro für die befreiten und zu befreienden Gebiete zur Verfügung gestellt. Zusätzlich zu Maßnahmen wie der Beseitigung von Sprengfallen und der Wiederherstellung der Basisinfrastruktur soll ein Rückfall in konfessionelle Konflikte verhindert und die Legitimität der Zentralregierung in den vom IS befreiten Gebieten gestärkt werden.