Nein, der Tod eines Mannes, der wohl ohnehin als Selbstmordattentäter zu sterben gedachte, ist kein Zeichen von Staatsversagen, wie teilweise zu lesen ist. Fehler können geschehen, aber im Fall des verstorbenen mutmaßlichen Terroristen häuften sich die Zwischenfälle. Politik und Verwaltung müssten für diese Fehler geradestehen und sich nicht wegducken. Doch so fügt sich das Bild, das Sachsen im Fall Al-Bakr abgibt, in eine Summe von Bildern. Zusammen ergeben sie den Film vom inkompetenten Freistaat.

Sachsen, immer wieder Sachsen. Erst pfeifen da Pegidisten in Dresden die Spitzen unseres Staates aus, ohne dass die Polizei etwas unternimmt. Stattdessen wünschen Beamte den Ausländerfeinden per Lautsprecher einen "erfolgreichen Tag". In Bautzen kann die Polizei Jagdszenen auf junge Flüchtlinge nicht verhindern. In Clausnitz belagern vergangenes Jahr gröhlende Rassisten einen Bus mit Flüchtlingen – statt durchzugreifen zerrt die Polizei einen verängstigten Jungen ins Freie.

Und dann entwischt einer der möglicherweise gefährlichsten Terroristen des Landes, Jaber al-Bakr, der Polizei zu Fuß. Die kommt nicht hinterher, kann nur einen Warnschuss abgeben und findet den Bombenbauer dann für zwei Tage nicht mehr. Al-Bakr kann sogar unbehelligt reisen, die Stadt verlassen und sein Handy benutzen. Erst als ein Syrer mit einem Handyfoto des Gefesselten zur Polizei geht, endet die erfolglose Jagd.

Aus Fehlerchen werden Fehler

Im Gefängnis verläuft alles nach Protokoll. Al-Bakr wird alle 15 Minuten überwacht, später alle 30. Doch kann man einen Terroristen, der kurz davor stand, Bomben in Zügen oder Flughäfen hochzujagen, nach Protokoll behandeln, wie einen normalen Kriminellen? Und das, nachdem er seine Selbstmordabsichten (Attentatspläne, Steckdose, Hungerstreik) zur Genüge artikuliert hat?

Irgendwann werden aus Fehlerchen Fehler, aus Peinlichkeiten Blamagen. Und aus Schlampereien Sicherheitsrisiken. Al-Bakr, der um ein Haar entwischt wäre und weiß Gott was hätte anstellen können, hätte wichtige Hinweise auf mögliche Hintermänner, ein Netz an Helfern und konkrete Anschlagspläne geben können. Zudem hätte er vor einen Richter gehört. Und dann ins Gefängnis, weil so ein Staat mit seinen Feinden verfährt.

Al-Bakr, Pegida und nicht zuletzt der rechte Mob, der auch Asylbewerberunterkünfte anzündet, zeigen, wie einfach es in Sachsen ist, sich dem Rechtsstaat zu entziehen. Und der lässt es geschehen. Ein bayerischer Minister könnte sich unter diesen Voraussetzungen wahrscheinlich nach einem neuen Job umschauen.