Am 13. Oktober wurde bekannt, dass am Fundort der 2001 in Oberfranken verschwundenen Peggy DNA des NSU-Mitglieds Uwe Böhnhardt gefunden wurde. Schaut man sich heute noch einmal an, wie sich die Ermittler in diesem Fall damals äußerten, fallen die vorsichtigen Formulierungen ins Auge: "In welchem Zusammenhang diese DNA-Spur gesetzt wurde, wo sie entstanden ist und ob sie in Verbindung mit dem Tod von Peggy K. steht, bedarf weiterer umfassender Ermittlungen in alle Richtungen", hieß es in einer Erklärung, die das Polizeipräsidium Oberfranken und die Bayreuther Staatsanwaltschaft am 13. Oktober herausgaben. Der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel teilte mit, eine Verunreinigung des Stofffetzens, auf dem die DNA gefunden wurde, sei nicht auszuschließen. Das müssten die Ermittlungen klären.

Die Ermittlungen wurden geführt und ergaben: Das Erbmaterial Böhnhardts befand sich vielleicht doch nicht am Tatort. Die Polizeikräfte vermaßen den Fundort von Peggy mit einem Meterstab, der auch am Fundort des 2011 gestorbenen Böhnhardts eingesetzt wurde – also in dem Wohnmobil, in dem er und sein Komplize Uwe Mundlos Suizid begangen hatten. Das Vermessungsgerät, so heißt es, sei nahezu unverwechselbar. In beiden Fällen ermittelte dieselbe Tatortgruppe.

Nun kommuniziert die Polizei wieder sehr vorsichtig. Ob sie es nun selbst war oder doch Böhnhardt, der die DNA an den Tatort brachte, ist unklar. Klar ist, dass die Polizei im Sinne des Wortes unsauber gearbeitet hat. Denn die Möglichkeit, dass ein Gerät der Spurensicherung verunreinigt ist, muss ausgeschlossen sein.

Eine weitere Ermittlungspanne, zusätzlich zu Dutzenden, vielleicht Hunderten, die sich im Laufe der Jahre bereits im NSU-Komplex angesammelt haben. Oder keine Panne? Wer will das in dieser chaotischen Gemengelage schon ausschließen. Nichts scheint mehr klar. Auch nicht, dass der Spurenträger des Erbmaterials ein Stück Stoff war, wie es aus dem Polizeipräsidium heißt. Die Behörde hatte dieses Detail nie bestätigt.

Im Raum steht nun die schier unglaubliche Meterstab-Theorie. Böhnhardt starb am 4. November 2011. Peggys Leichnam wurde am 2. Juli 2016 gefunden. Zwischen beiden Einsätzen lagen fast fünf Jahre. Kommt ein und derselbe Stab in fünf Jahren nur zweimal zum Einsatz? Werden die Ausrüstungsgegenstände nach Benutzung ungereinigt zurück in den Koffer gelegt? Wieso berührt Polizeiausrüstung Gegenstände, die im Kriminallabor auf Spuren untersucht werden?