Julian Assange, der Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, hat nach Angaben seiner Organisation kein Internet mehr. In der Londoner Botschaft von Ecuador, in der Assange im Juni 2012 Zuflucht gefunden hat, sei der Netzzugang gekappt worden. Dies sei am Samstag erfolgt, "kurz nach Veröffentlichung der Reden von Frau Clinton bei Goldman Sachs", twitterte WikiLeaks.

Assange befindet sich in der Botschaft, weil er einer Auslieferung nach Schweden entgehen will. Dort wird gegen ihn wegen Vergewaltigung ermittelt. Der 45-Jährige befürchtet nach eigenen Angaben, von Schweden in die USA ausgeliefert zu werden, wo ihm ein Prozess wegen Geheimnisverrats drohen würde.

Die Londoner Polizei und Ecuadors Außenminister Guillaume Long wollten sich nicht zu den Vorwürfen äußern. Aus ecuadorianischen Regierungskreisen hieß es lediglich, Ecuador werde Assange weiter schützen und das 2012 gewährte politische Asyl aufrechterhalten.

Die unabhängige UN-Arbeitsgruppe zum Thema willkürliche Inhaftierungen (WGAD) in Genf hatte die jahrelange Botschaftszuflucht Assanges Anfang Februar als unrechtmäßige Haft eingestuft. Sie forderte, der Australier müsse die Botschaft umgehend ungehindert verlassen dürfen. Er habe außerdem ein Recht auf Entschädigungen durch Großbritannien und Schweden.

Enthüllungen im US-Wahlkampf

WikiLeaks veröffentlicht Geheimdokumente, die nach Meinung der Betreiber von öffentlichem Interesse sind. Zuletzt sorgte die Plattform mit Veröffentlichungen im Rahmen des US-Wahlkampfes für Aufsehen. Zuletzt publizierte die Plattform E-Mails, die aus einem Hackerangriff auf das Konto von John Podesta stammen sollen, dem Wahlkampfleiter der demokratischen US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Hinter dem Angriff werden in den USA Hacker mit Verbindungen zum russischen Geheimdienst vermutet.

Bei der Ankündigung von neuen Veröffentlichungen über Hillary Clinton hatte Assange Anfang Oktober bestritten, dass er die Demokratin im Wahlkampf schwächen wolle. "Es heißt immer, ich wolle Clinton schaden. Das ist falsch", sagte Assange. Die Veröffentlichungen seien "von signifikanter Bedeutung für die Wahlen", sagte der Aktivist auf die Frage, ob die neuen Informationen die demokratische Präsidentschaftskandidatin "zerstören" werden.