Neun Monate nach dem Brand in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft im sächsischen Bautzen sollen zwei der damaligen Schaulustigen in Jugendhaft. Nach Angaben des Amtsgerichts erhielten die beiden vorbestraften 21-Jährigen eine Jugendstrafe von zweieinhalb beziehungsweise drei Jahren ohne Bewährung. Damit folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Verurteilt wurden sie allerdings nicht nur wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte im Zusammenhang mit dem Brand.

In die Gesamtstrafen flossen vielmehr auch eine ganze Reihe davon unabhängiger Delikte wie Körperverletzung, Diebstahl und räuberische Erpressung ein. Einer der Angeklagten stand zudem wegen einer früheren Jugendstrafe noch unter Bewährung. Insgesamt musste sich einer der Männer wegen 24 Delikten, der andere wegen elf Straftaten verantworten.

Nach Auffassung des Gerichts haben die Angeklagten die Löscharbeiten an dem Flüchtlingsheim nicht behindert, wie der Gerichtssprecher sagte. Allerdings widersetzten sie sich einem Platzverweis der Polizei, in dessen Folge es auch zu Rangeleien kam.

Der Großbrand an der geplanten Flüchtlingsunterkunft im Februar hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst, auch weil Schaulustige, die zum Teil alkoholisiert waren, nach Polizeiangaben teilweise "abfällige Bemerkungen" gemacht oder "unverhohlene Freude" gezeigt hätten. Die Polizei geht von Brandstiftung aus; wer das Feuer gelegt hat, konnte sie jedoch bis heute nicht ermitteln. Der Dachstuhl des sogenannten Husarenhofs am Rande der Bautzener Innenstadt war ausgebrannt, 70 Feuerwehrleute waren bei den Löscharbeiten im Einsatz. Das ehemalige Hotel sollte für bis zu 300 Flüchtlinge hergerichtet werden, war aber noch nicht bewohnt. 

Die beiden Angeklagten hatten zugegeben, sich am frühen Morgen des 21. Februar in Bautzen im Gefahrenbereich aufgehalten zu haben. Sie bestritten aber, einem Platzverweis nicht gefolgt zu sein. Ansonsten beriefen sie sich mehrmals auf Erinnerungslücken.

Das Verfahren gegen einen dritten Angeklagten war abgetrennt worden, weil dieser zum Prozess nicht erschienen war. Die Staatsanwaltschaft hat Haftbefehl gegen den Mann beantragt.

"Einer Polizistin auf den Rücken gesprungen"

Polizisten und zwei Feuerwehrangehörige hatten als Zeugen ausgesagt, die Angeklagten seien wiederholten Platzverweisen nicht nachgekommen. Die Feuerwehren hatten damals gerade damit begonnen, brennende Dachziegel vom Dach zu reißen. Anstatt zu gehen, sollen die Beschuldigten verbal ausfällig und handgreiflich geworden sein, teils mussten sie mit Handfesseln am Boden fixiert werden. Ein Feuerwehrmann sagte: "Einer ist einer Polizistin von hinten auf den Rücken gesprungen."

Nach eigenen Aussagen hatten die Angeklagten auf einer Geburtstagsfeier durch eine WhatsApp-Nachricht von dem Brand erfahren. Sie seien daraufhin gemeinsam zu dem brennenden Gebäude gefahren, um "mal zu schauen".

Bautzen war in den vergangenen Monaten wiederholt in die Schlagzeilen geraten. Im März wurde Bundespräsident Joachim Gauck bei einem Besuch in der ostsächsischen Stadt ausgebuht und als "Volksverräter" beschimpft. Zuletzt gab es im September gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Rechtsradikalen und Asylbewerbern. Die Flüchtlinge wurden von den Rechten durch die Stadt gejagt.