EU-Bürger haben wenig Vertrauen in die Medien und Zweifel an deren Unabhängigkeit. Zudem machten sich viele Menschen Sorgen angesichts der zunehmenden Hassbotschaften in sozialen Netzwerken im Internet, heißt es in einer Studie der EU-Kommission (pdf). 57 Prozent der Befragten glauben demnach nicht, dass ihre nationalen Medien frei von politischem oder kommerziellem Einfluss sind. Nur etwas mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Teilnehmer war überzeugt, dass diese glaubwürdige Informationen verbreiten.

In 17 von 28 EU-Ländern vertrauten die Befragten auch den Kontrollorganen für audio-visuelle Medien nicht. Besonders hoch war das Misstrauen bei den gering Verdienenden und der unteren Bildungsschicht.

Allerdings gaben zwei Drittel der Befragten an, dass Medien in ihrem Land verschiedenen Meinungen und Sichtweisen darstellten. In Deutschland sagten das sogar 79 der Befragten – Rang fünf im europäischen Vergleich. In Finnland sind 85 Prozent der Meinung, dass verschiedene Blickwinkel dargestellt würden, in den Niederlanden 84 Prozent. Auf dem europaweit abgeschlagenen letzten Platz landet Griechenland, wo nur 48 Prozent den Medien ihres Landes Vielfalt attestieren. Den vorletzten Rang nehmen Frankreich und Spanien mit 57 Prozent ein.

Für am meisten verlässlich hielt eine große Mehrheit der Befragten das Radio (66 Prozent), gefolgt von Fernsehen und Zeitungen (jeweils 55 Prozent). Nur knapp ein Drittel vertraut den Informationen, die über soziale Netzwerke verbreitet werden. Darüber hinaus gaben drei Viertel der Befragten an, in sozialen Netzwerken Missbrauch, Hassreden oder Drohungen erlebt zu haben. Fast die Hälfte schreckte deshalb davor zurück, sich in Debatten im Internet einzubringen.

Im Mai hatte eine Emnid-Umfrage ergeben, dass nur etwas mehr als ein Drittel der Deutschen die Berichterstattung der Nachrichtenmedien für wirklich unabhängig hält. Als Handelnde im Hintergrund gelten insbesondere Regierung und Parteien und Wirtschaft – über Lobbyverbände und über den Druck von Werbekunden. Eine gesellschaftliche Kontrollfunktion im Sinne einer vierten Gewalt wird der Erhebung zufolge am ehesten Wochenzeitungen und Nachrichtenmagazinen, öffentlich-rechtlichem Fernsehen und Tageszeitungen zugestanden. 

"Die durch die Umfrage bestätigten, weit verbreiteten Online-Hassreden zeigen das Ausmaß von Missbrauch und Drohungen gegen Journalisten und Nutzer sozialer Medien", teilte die für Justiz, Verbraucherschutz und Gleichbehandlung zuständige EU-Kommissarin Vera Jourova mit. Sie kündigte an, ihre Behörde werde "den Schutz von journalistischen Quellen und die Regeln zu Whistleblowing prüfen". Die Umfrage war zwischen Ende September und Anfang Oktober in allen 28 EU-Mitgliedstaaten erhoben worden. Teilgenommen hatten etwa 28.000 EU-Bürger.