Nach tagelangen Großbränden in Israel hat sich die Lage in der nordisraelischen Küstenstadt Haifa dramatisch zugespitzt. Zehntausende Menschen mussten auf der Flucht vor den Flammen ihre Häuser verlassen. Etwa 60.000 Menschen – fast jeder vierte Bewohner – seien zur Räumung ihrer Häuser aufgerufen worden, berichtete die Zeitung Haaretz. Mindestens 80 Menschen erlitten nach Angaben des Rundfunks Rauchverletzungen oder auch Schocks.

Die israelische Polizei geht bei vielen der landesweiten Brände von Brandstiftung aus – und vermutet radikalisierte Palästinenser hinter den Taten. Es seien mehrere Verdächtige festgenommen worden, sagte Polizeichef Roni Alscheich. Es sei davon auszugehen, dass die Fälle von Brandstiftung "nationalistisch motiviert" waren, sagte er.

Nach Einschätzung des Ministers für öffentliche Sicherheit, Gilad Erdan, wurden mehr als die Hälfte der Brände in den letzten Tagen durch Brandstiftung verursacht. Israels Inlandsgeheimdienst gehe dem Verdacht nach, dass vor allem in Haifa aus politischen Motiven Brände gelegt worden seien, berichtete die Nachrichtenseite ynet

Netanjahu spricht von "Terror"

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu machte "Terror von Brandstiftern" für die Feuer verantwortlich. Diejenigen, die die Feuer legten, würden "schwer bestraft", kündigte er in Haifa an. 

Nähere Angaben zur Identität der mutmaßlichen Brandstifter oder ihren Motiven machte Netanjahu nicht. Israelische Beamte verwenden aber für gewöhnlich den Begriff "Terror", um sich auf Aktivitäten von militanten Arabern oder Palästinensern zu beziehen. 

Putin bot Hilfe bei Löscharbeiten an

Bei den Löscharbeiten in Haifa wurde nach Militärangaben auch die Armee eingesetzt. Zwei Bataillone der Rettungseinheit seien in die Brandgebiete verlegt worden. Auch Soldaten der Reserve seien aufgerufen worden, Polizei und Feuerwehr beim Kampf gegen die Flammen und bei der Evakuierung zu helfen.

Bisher sind nach Polizeiangaben in Haifa acht Wohnviertel geräumt worden. Auch die Universität Technion wurde geräumt. Viele Löschflugzeuge waren im Einsatz. Haifa ist mit rund 270.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt in Israel und liegt nördlich von Tel Aviv.

Mittlerweile unterstützen Italien, Kroatien, Griechenland, die Türkei und Zypern die Behörden im Kampf gegen die Flammen, wie das Außenministerium mitteilte. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin habe dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu bei einem Telefonat die sofortige Entsendung von zwei riesigen Löschflugzeugen zugesagt, teilte Netanjahus Büro mit.

Brände gab es in mehreren Landesteilen, darunter in der Gegend um Nazareth und Jerusalem. In Israel herrscht eine lange Trockenheit. Trockenes und windiges Wetter sorgt dafür, dass sich die Flammen schnell ausbreiten.