Die Tragödien im Mittelmeer nehmen kein Ende. Bei vier Bootsunglücken binnen zweier Tage kamen nach Behördenangaben mehr als 340 Menschen ums Leben, als sie die gefährliche Überfahrt von Afrika nach Europa wagten. Der Sprecher der internationalen Migrationsbehörde IOM, Flavio Di Giacomo, sagte in Rom, die Schlepper würden keine Rücksicht auf die schlechten Wetterbedingungen nehmen. "Überlebende haben uns berichtet, dass sie gezwungen wurden, in die Boote zu steigen, obwohl sie wegen des Wetters nicht wollten."

Allein etwa 100 Menschen starben laut IOM und der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen bei einem Schiffsunglück in der Nacht zu Donnerstag. Ärzte ohne Grenzen rettete 27 Menschen, insgesamt waren auf dem Boot 130 Menschen von Libyen aus nach Italien unterwegs. "Diese Tragödie ist einfach unerträglich", schrieb die Organisation auf Twitter.

Am Mittwoch seien 15 Menschen nach Catania auf Sizilien gebracht worden, deren Boot am Dienstag verunglückt war, berichtete Di Giacomo. Insgesamt seien 150 Menschen an Bord gewesen, die übrigen 135 starben vermutlich. Ein weiteres Boot ging in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch unter. Eine private Hilfsorganisation habe 23 Menschen gerettet, 99 gelten als vermisst. Bei einem vierten Unglück wurden 114 Menschen gerettet, eine Leiche wurde geborgen, fünf Menschen werden vermisst.

Sollten sich die Zahlen bestätigen, starben in diesem Jahr dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR zufolge bereits mehr als 4.500 Menschen bei dem Versuch, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen.

160.000 Flüchtlinge in Italien angekommen

Es erreichen aber auch viele Flüchtlinge Europa. Nach Angaben der EU-Grenzschutzagentur Frontex kamen allein im Oktober fast 27.500 Menschen über das Mittelmeer nach Italien. Das sei die bisher höchste Zahl in einem Monat. 

Grund dafür sei das gute Wetter gewesen, das Schmuggler dazu bewegt habe, noch mehr Menschen auf seeuntüchtige Boote zu treiben. Das erkläre auch die hohe Zahl der Toten im Oktober. Bislang seien 2016 fast 160.000 Migranten in Italien angekommen – 13 Prozent mehr als vor einem Jahr.