Katholische Priester haben künftig dauerhaft das Recht, Frauen von der "Sünde der Abtreibung" loszusprechen. Dies schrieb Papst Franziskus in einem apostolischen Brief zum Abschluss des Heiligen Jahres, das am Sonntag zu Ende gegangen war. Die Regelung, die zuvor auf das Heilige Jahr begrenzt war, wird damit ausgeweitet. Franziskus betonte, das Ende des Heiligen Jahres bedeute nicht das Ende der Vergebung für reuige Sünder.

"Ich kann und muss erklären, dass es keine Sünde gibt, die Gottes Gnade nicht erreichen und aufheben kann, wenn sie ein reuiges Herz findet, das die Versöhnung mit dem Vater sucht", schrieb das Oberhaupt der katholischen Kirche. "Möge jeder Priester daher auf dieser Reise der besonderen Versöhnung ein Führer, eine Stütze und ein Trost sein."

"Ein furchtbares Verbrechen"

Nach dem katholischen Kirchenrecht zieht die Mitwirkung an einem Schwangerschaftsabbruch normalerweise die Exkommunikation nach sich. In den meisten Ländern waren bislang eine sakramentale Lossprechung und die Aufhebung der Exkommunikation nur durch bestimmte Beichtväter möglich. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ändert sich durch die neue Praxis nichts; hier konnte schon vor dem Heiligen Jahr jeder Priester die Vergebung für eine Abtreibung erteilen.

Der Papst hatte bereits in der Vergangenheit Verständnis für Frauen geäußert, die keinen anderen Ausweg als eine Abtreibung sehen. "Ich weiß um den Druck, der sie zu dieser Entscheidung geführt hat, ich weiß, dass dies eine existenzielle und moralische Tragödie ist", schrieb Franziskus beispielsweise im September 2015, als er Priestern erstmals die Vergebung von Abtreibung erlaubt hatte.

Gleichwohl erklärte der 79-jährige Argentinier nun "in aller Deutlichkeit", dass Abtreibung "eine schwere Sünde ist, da sie einem unschuldigen Leben ein Ende setzt". In einem Interview zum Ende des Heiligen Jahrs hatte Franziskus Abtreibung bereits als "furchtbares Verbrechen" verurteilt.

Sonderregel für Piusbruderschaft

Die Verfügung zur Vergebung von Abtreibung findet sich im Schreiben Misericordia et misera (Die Barmherzigkeit und die Erbärmliche), in dem der Papst eine Bilanz des Heiligen Jahres zieht und neue Initiativen nennt. So sollen etwa auch die für das Heilige Jahr ernannten "Missionare der Barmherzigkeit" weiter im Dienst bleiben. Dabei handelt es sich um Priester, die der Papst mit besonderen Vergebungsvollmachten ausgestattet hatte.

Mit dem Schreiben Misericordia et misera dehnt Franziskus zudem eine andere Sonderregelung aus, die er zum Heiligen Jahr für die traditionalistische Piusbruderschaft eingeführt hatte. Bis auf Weiteres können Gläubige bei Priestern dieser Gemeinschaft "gültig und erlaubt" das Bußsakrament empfangen. Der Papst verband damit das "Vertrauen auf den guten Willen ihrer Priester, dass mit der Hilfe Gottes die volle Gemeinschaft in der katholischen Kirche wiedererlangt werden kann".