Die Zahl der seit Jahresbeginn in Italien angekommenen Bootsflüchtlinge hat einen neuen Höchststand erreicht. Bis Montag wurden den Behörden des Landes zufolge bereits mehr als 171.000 Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet und nach Italien gebracht. Im bisherigen Rekordjahr 2014 lag die Gesamtzahl bei 170.100 Geretteten. Nach UN-Angaben kamen seit Jahresbeginn mindestens 4.690 Männer, Frauen und Kinder bei der gefährlichen Überfahrt ums Leben.

Am Montag wurden vor der Küste Libyens etwa 1.400 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet. Die meisten von ihnen waren in überfüllten Schlauchbooten zur Überfahrt nach Italien aufgebrochen, wie die italienische Küstenwache mitteilte.

Erst vor zwei Wochen starben bei vier Bootsunglücken binnen zwei Tagen nach Behördenangaben mehr als 340 Menschen, als sie die gefährliche Überfahrt von Afrika nach Europa wagten.

Seit der Vereinbarung der EU mit der Türkei im März über die Eindämmung der Flüchtlingszuwanderung über Griechenland kommen wieder vermehrt Flüchtlinge in Italien an. Nach Ansicht des EU-Migrationskommissars muss die Europäische Union die Umsiedlung von Flüchtlingen aus Italien und Griechenland beschleunigen. Zudem forderte er mehr Experten zur Bearbeitung von Asylanträgen in diesen Ländern. "Wir brauchen echte Solidarität, nicht nur in Worten und nicht à la carte", sagte Dimitris Avramopoulos am Montag in Athen. Er sprach bei einem Treffen von mehr als 200 Experten des Europäischen Unterstützungsbüros für Asylfragen (EASO).