Mehr als ein Jahr nach dem Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft im brandenburgischen Nauen hat vor dem Landgericht Potsdam der Prozess gegen sechs Angeklagte aus der rechten Szene – darunter der NPD-Kommunalpolitiker Maik Schneider – begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern unter anderem die Bildung einer kriminellen Vereinigung zur Begehung von Straftaten mit ausländerfeindlichem Hintergrund vor, außerdem schwere Brandstiftung und Sachbeschädigung.

Der mutmaßliche Rädelsführer Schneider wurde zu Prozessbeginn von einem Mitangeklagten schwer belastet. Der 33-jährige Wachmann schilderte im Landgericht in einem umfassenden Geständnis, wie er im August 2015 mit den Mitangeklagten Fässer mit Öl und Benzin sowie eine Propangasflasche vor die Sporthalle geschafft habe. Alle Anweisungen zu dem Brandanschlag habe Schneider gegeben.

Die Gruppe um den NPD-Politiker solle in wechselnder Beteiligung mehrere Delikte begangen haben – darunter im August 2015 den beschriebenen Brandanschlag auf die Sporthalle einer Schule, die als Notunterkunft für Asylsuchende vorgesehen war. Die Halle wurde durch die Flammen völlig zerstört, den Schaden beziffert die Staatsanwaltschaft auf rund dreieinhalb Millionen Euro.

Bereits zuvor soll einer der Angeklagten auf der Baustelle einer geplanten Flüchtlingsunterkunft ein Dixie-Klo in Brand gesetzt haben. Auch ein Farbbeutelanschlag auf ein Büro der Partei Die Linke, ein Brandanschlag auf ein Auto und die Störung einer Stadtverordnetenversammlung in Nauen sowie weitere Taten sollen auf Mitglieder der Gruppe zurückgehen. Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter hatte von einer "rechten Stadtguerilla" gesprochen.

Für den Prozess sind zunächst elf Verhandlungstage bis zum 24. Januar angesetzt. Zum Auftakt herrschte großer Andrang, zahlreiche Journalisten waren vor Ort. Die Polizei veranlasste umfassende Sicherheitsvorkehrungen. So wurde der Zugang zum Gerichtsgebäude abgesperrt und alle Prozessbeteiligten und -besucher auf Waffen, Werkzeuge und Wurfgeschosse untersucht.