Es war einmal ein Kinderfest. Jahrhundertelang ritt Sinterklaas auf seinem Schimmel durch niederländische Städte, Dörfer und Polder, um dem Nachwuchs nächtens Geschenke und Naschzeug in die bereitgestellten Schuhe zu stecken. Begleitet wurde er stets von einer Schar treuer Diener, die so einfältig wie fröhlich waren. Seit etwa 150 Jahren sind sie als Zwarte Pieten bekannt, mit schwarzer Gesichtsfarbe, dicken roten Lippen, Afroperücke und Kleidung, die an Kindersklaven auf alten Gemälden erinnert.

Für viele – und längst nicht nur Kinder – gehört die Nikolaussaison von Mitte November bis Anfang Dezember zu den Höhepunkten des Jahres. Sint und Piet sind bis heute die beliebtesten Figuren der niederländischen Populärkultur, im wirklichen Leben kam höchstens der Fußballheld Johan Cruyff in ihre Nähe.

Seit etwa 15 Jahren allerdings wird die alte Tradition von immer heftigeren Auseinandersetzungen begleitet. Kritiker stören sich an der kolonialistischen Figur des Zwarte Piet. Und antirassistische Gruppen protestieren gegen die aufgemalte schwarze Gesichtsfarbe, in der sie eine Diskriminierung von Dunkelhäutigen sehen.

Das wiederum empört die zahlreichen Anhänger des Piet. Der Diener des Nikolaus, argumentieren sie, sei nach einer Legende schwarz, weil er die Geschenke durch den Schornstein liefere, und der sei nun einmal voller Ruß. Mit Rassismus habe das nichts zu tun.

Inzwischen sind zwei regelrechte Lager entstanden von Anhängern und Gegnern des Zwarte Piet, des Schwarzen Peters. Und die Auseinandersetzungen werden immer heftiger, zum Teil sogar handfest. Im Städten Maassluis mussten Mitte November Hunderte Polizisten den feierlichen Einzug des Sinterklaas bewachten, die Besucher mussten eine Leibesvisitation über sich ergehen lassen. Die Behörden hatten massive Störungen befürchtet. Mit dem ursprünglichen Kinderfest hat das nicht mehr viel zu tun.

Ein Blick auf das Hashtag kinderfeest auf Twitter zeigt noch drastischere Szenen. Man sieht Fotos und Videos vom vergangenen Wochenende aus Rotterdam: Demonstranten der Gruppe Kick Out Zwarte Piet im Handgemenge mit Polizisten, die sie auf dem Weg zum Sinterklaas-Umzug festhalten. Bald fliegen die Schlagstöcke. In sozialen Medien und Kommentarspalten indes fliegen Bemerkungen wie diese: "Macht ruhig weiter mit dem Verderben einer Tradition und eines Kinderfests. Auf dass sie mit ihrem 'Rassismus' ersticken. Haut doch ab!"

Natürlich ist dieses Beharren auf der jungen Zielgruppe wohlfeil. Nicht nur, weil auch in Firmen und Behörden Sinterklaas gefeiert wird. Es enthält auch eine Diskussionsverweigerung, vorgebracht im Brustton der Überzeugung: Was nicht rassistisch gemeint ist, kann auch nicht rassistisch sein. Und sollten andere es doch so sehen, dann wollen sie "sich nicht anpassen und sind wegen jedem Furz beleidigt" (so ein Tweet in der aktuellen Debatte).