Ein sogenannter Reichsbürger hat in seiner Wohnung im niedersächsischen Sögel sechs Polizisten mit Pfefferspray leicht verletzt. Wie die Polizei mitteilte, waren die Beamten zu der Wohnung des 42-Jährigen gefahren, weil gegen ihn ein Haftbefehl vorlag. Da sie den Mann aus früheren Einsätzen gekannt hätten, seien sie vorsichtshalber zu sechst angerückt.

Erst nach mehrfachem Klingeln habe der Mann die Tür geöffnet und erklärt, dass er die Geldstrafe bereits bezahlt habe. Eine Quittung habe er jedoch nicht gehabt. Daraufhin habe er gesagt, dass er bewaffnet sei und habe versucht, zu flüchten.

Als die Beamten ihn an der Flucht hindern wollten, zielte er mit Pfefferspray auf sie. Schließlich sei es gelungen, ihm Handfesseln anzulegen. Da er sich bei der starken Gegenwehr verletzt habe, wurde er in ein Krankenhaus eingeliefert. Gegen ihn wurde ein Strafverfahren wegen Widerstands gegen Polizeibeamte eingeleitet. Ein Polizist musste im Krankenhaus behandelt werden, allerdings ambulant.

In der Wohnung fand die Polizei nach eigenen Angaben eine geladene Schreckschusspistole. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) verurteilte den Angriff. Von den Reichsbürgern gehe eine hohe Gefahr aus. 

In den vergangenen Monaten war es mehrfach zu Übergriffen sogenannter Reichsbürger auf Polizisten und andere Beamte gekommen. So war im Oktober bei einer Razzia im mittelfränkischen Georgensgmünd ein Polizist nach den Schüssen eines Reichsbürgers an seinen Verletzungen gestorben. Drei weitere Polizisten wurden verletzt. Bei dem Einsatz sollten dem rechtsextremen Täter zahlreiche Waffen abgenommen werden.

Ebenfalls im Oktober griff in Sachsen-Anhalt ein Anhänger der Bewegung in einem Bürgercenter der Stadt Salzwedel Beamte an. Nach Polizeiangaben hatte der Mann bei einer Auseinandersetzung die Polizisten als Nazis beschimpft und unvermittelt auf sie eingeschlagen. Die Polizisten wehrten sich – und wurden auch von der Ehefrau angegriffen.

Reichsbürger erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht als Staat an. Stattdessen behaupten sie, das Deutsche Reich bestehe bis heute fort. Häufig legen sie dabei die Grenzen von 1937 zugrunde. Daher sprechen sie dem Grundgesetz, Behörden und Gerichten die Legitimität ab und akzeptieren amtliche Bescheide nicht.