Bei dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt hat laut Medienberichten ein automatisches Lkw-Bremssystem verhindert, dass der Attentäter seine tödliche Fahrt fortsetzte. Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR berichten unter Berufung auf Ermittler, der Lastwagen sei nur deshalb nach 70 bis 80 Metern zum Stehen gekommen, weil die Zugmaschine mit einem automatischen Bremssystem ausgerüstet war. Dieses reagiere auf einen Aufprall und betätige dann automatisch die Bremsen.

"Diese Technik hat Leben gerettet", zitierten die Medien Berliner Regierungskreise. Auch Spiegel Online berichtet, dass der Bordcomputer eine Vollbremsung ausgelöst habe. Zunächst war spekuliert worden, der polnische Lastwagenfahrer könne dem Attentäter ins Lenkrad gegriffen und damit Schlimmeres verhindert haben. Offenbar wurde der Pole jedoch schon einige Zeit vor dem Anschlag durch einen Kopfschuss verwundet.

Wie Süddeutsche Zeitung und die Sender weiter berichten, beschäftigte sich das Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum in Berlin zwischen Februar und November dieses Jahres mindestens siebenmal mit dem mutmaßlichen Attentäter Anis Amri. Interne Behördenunterlagen, die nur fünf Tage vor dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt entstanden, beschreiben demnach Amris Werdegang in Deutschland.

Die Route des Sattelschleppers

Anschlag Amris wurde für unwahrscheinlich gehalten

Demnach soll der Tunesier im Internet Anleitungen zum Bau von Rohrbomben und zur Herstellung von Sprengstoffen wie TNT gesucht haben. Zudem habe er offenbar schon im Februar Kontakt zur Terrormiliz "Islamischer Staat" gesucht und sich als Selbstmordattentäter angeboten. Mindestens zweimal sei im Terrorabwehrzentrum die Frage diskutiert worden, ob Amri einen konkreten Anschlag in Deutschland plane. Beide Male sei dies als unwahrscheinlich eingestuft worden.

Der 2015 nach Deutschland gekommene Tunesier Anis Amri hatte nach bisherigen Erkenntnissen am 19. Dezember einen gestohlenen Sattelzug in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gesteuert. Bei dem Anschlag wurden zwölf Menschen getötet, unter ihnen der polnische Lkw-Fahrer. In der Nacht zum Freitag wurde Amri nach mehrtägiger Flucht in einem Mailänder Vorort nach italienischen Angaben bei einem Schusswechsel mit der italienischen Polizei getötet.

Anschlag in Berlin - So gelangte der Lkw zum Weihnachtsmarkt Bei dem Anschlag am Montagabend wurden 12 Menschen getötet, es gibt viele Verletzte. Unsere Video-Grafik zeigt die Route des Lkw, mit dem der Täter auf den Weihnachtsmarkt fuhr.

Offenbar Selfie aus dem Lkw verschickt

Nur wenige Minuten vor der Tat soll Amri aus dem Führerhaus des Lkw eine Botschaft an einen Vertrauten verschickt haben. Amri schrieb den Medienberichten zufolge: "Mein Bruder, alles in Ordnung, so Gott will. Ich bin jetzt im Auto, bete für mich mein Bruder, bete für mich." Danach habe er ein Foto von sich aus dem Lkw verschickt. 

Am Mittwoch nahmen die Behörden in Berlin eine mutmaßliche Kontaktperson Amris fest, einen 40-jährigen Landsmann. Wie die Bundesanwaltschaft mitteilte, deuteten die Ermittlungen darauf hin, dass er in den Anschlag eingebunden gewesen sein könnte.