Aufnahmen von Überwachungskameras bestätigen die bisherige Vermutung, dass Anis Amri, der mutmaßliche Attentäter von Berlin, über Frankreich nach Italien gereist ist. Der 24-jährige Tunesier wurde am Donnerstagnachmittag im Bahnhof Lyon Part-Dieu gefilmt, wie mehrere deutsche Agenturen von französischen Ermittlern erfuhren. Damit bestätigte sich ein Bericht des Senders BFMTV. Schon vor Tagen hatten französische Medien darüber geschrieben, dass Amri über Lyon reiste.

Amri trug auf den Überwachungsbildern eine Kappe und einen Rucksack. "Er scheint auf diesen Bildern allein zu sein", heißt es aus Ermittlungskreisen.

Die Ermittler prüfen weiterhin, wie Amri von Deutschland nach Frankreich einreiste.

Bereits am Samstag hatte der französische Sender Europe 1 berichtet, bei Amri seien Fahrkarten gefunden worden, die zeigen sollen, dass er über Lyon nach Mailand fuhr. In der Nacht zum 23. Dezember war er dann in der italienischen Stadt bei einer Kontrolle von Polizisten erschossen worden.

Die Ermittler sind überzeugt davon, dass Amri den Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt am 19. Dezember verübt hat. Der Tunesier soll mit einem gestohlenen Sattelzug in die Menschenmenge gerast sein und zwölf Menschen getötet haben, 45 wurden verletzt. Der Attentäter konnte jedoch fliehen, die Polizei fand Papiere von Amri im Führerhaus des Lkw, zudem seine Fingerabdrücke.

Der "Islamische Staat" hatte den Anschlag später für sich reklamiert.

Anschlag in Berlin - Anis Amri in Italien erschossen Der mutmaßliche Attentäter auf einen Berliner Weihnachtsmarkt ist bei einer Schießerei in Italien getötet worden. Dem italienischen Innenminister zufolge wurde er durch seine Fingerabdrücke identifiziert. © Foto: Daniele Bennati/AP/dpa

Ermittler suchen Hintermänner

Ob die von Amri in Mailand genutzte Waffe mit derjenigen identisch ist, mit der ein entführter polnischer Speditionsfahrer im Führerhaus des gestohlenen Lkw in Berlin erschossen wurde, wird derzeit noch geklärt. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft liegen derzeit noch keine Ergebnisse dazu vor. Momentan wird ermittelt, ob Amri Hintermänner, Unterstützer und eventuell Helfer bei seiner mehrtägigen Flucht von Berlin über Frankreich nach Italien hatte.

Italien war für den Tunesier vertrautes Terrain. Vor seiner Ankunft in Deutschland im Juli 2015 hatte er mehrere Jahre in Italien verbracht, wurde dort wegen mehrerer Delikte belangt und bis Mai 2015 inhaftiert. Amri fiel mehrfach gewalttätig auf, Berichten zufolge radikalisierte er sich in einem Gefängnis in Sizilien. Als er nicht abgeschoben werden konnte, wurde er auf freien Fuß gesetzt. In Deutschland dann fiel Amri ebenfalls den Strafverfolgern auf. Er wurde als sogenannter Gefährder eingestuft und zeitweise überwacht, in der Zeit vor dem Anschlag allerdings nicht. Im Dezember 2016 verloren die Behörden seine Spur – und fanden sie erst wieder, als sie seine Geldbörse in dem Sattelschlepper auf dem Berliner Breitscheidplatz fanden.