Die 1,8 Tonnen schwere Weltkriegsbombe in der Augsburger Innenstadt ist erfolgreich entschärft worden. Auch die Evakuierung ist aufgehoben, teilte die Stadt auf Twitter mit. 54.000 Bewohner hatten ihre Wohnungen in der Innenstadt am frühen Morgen des ersten Weihnachtsfeiertags wegen der Entschärfung verlassen müssen. Es handelte sich um die größte Evakuierung in Deutschland der Nachkriegszeit.

Die Schutzzone hatte weite Teile der Innenstadt in einem Radius von rund 1.500 Metern um die Fundstelle des bei Bauarbeiten entdeckten Sprengkörpers. Zwei Sprengmeister des Kampfmittelräumdienstes entschärften die britische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. "ÖPNV fährt in Kürze mit Nachtbuslinien im 30-Minuten-Takt. Kommt gut nach Hause", twitterte die Stadtverwaltung.

Nachdem die Bombe am 20. Dezember entdeckt worden war, hatten sich die Behörden bemüht, die Bürger über die Evakuierung zu informieren. Dabei gingen sie auch auf die Frage ein, warum die Bombe ausgerechnet am ersten Weihnachtsfeiertag entschärft werden muss. "An einem Werktag wäre die Evakuierung ungleich schwieriger, da auch der ganze Arbeits- und Geschäftsbetrieb beeinträchtigt wäre. An einem Feiertag gibt es zudem weniger Verkehr", teilte die Stadt mit. Der Blindgänger enthielt mindestens drei Zünder und das Mehrfache an Sprengstoff einer normalen Fliegerbombe. Deshalb musste ein so großes Gebiet geräumt werden.

Die Einsatzkräfte hatten vor Beginn der Entschärfung Haus für Haus überprüft, ob sich noch Menschen in dem Gebiet befanden. "Die Evakuierung ist vollzogen", sagte Bürgermeister Kurt Gribl kurz nach 15.00 Uhr. Die Räumung hatte etwa eine Stunde länger gedauert als geplant. Grund für die Verzögerung sei gewesen, dass am ersten Weihnachtsfeiertag wesentlich mehr gehbehinderte Menschen mit Krankentransporten aus der Gefahrenzone gebracht werden mussten. Die Stadt hatte mit etwa 400 Fahrten gerechnet, letztlich seien es 560 geworden. Viele Betroffene hätten sich erst spät bei der Einsatzzentrale gemeldet.

"Während der Entschärfung besteht in der Schutzzone Lebensgefahr!", hatte die Polizei über Twitter gewarnt. Oberbürgermeister Gribl hatte gesagt, dass eine kontrollierte Sprengung der Bombe nicht geplant sei, sondern die Entschärfung angestrebt werde.

Für die betroffenen Bewohner waren auf dem Messegelände sowie in Turnhallen und Schulen Notunterkünfte eingerichtet worden. In den Unterkünften sei die Lage entspannt, teilte die Stadt Augsburg zwischenzeitlich mit. Offensichlich hätten sich viele Anwohner im Vorfeld um eine Unterkunft für den ersten Weihnachtsfeiertag gekümmert.

Größte Evakuierung seit 1945

Von der Evakuierung sind 32.000 Haushalte betroffen. Es sei die größte deutsche Evakuierungsaktion seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Laut der Stadt Augsburg gab es 480 Transporte, Hilfsorganisationen hätten 200 Fahrzeuge im Einsatz. Etwa 4.000 Helfer vom Bayerischen Roten Kreuz, Feuerwehren und Bereitschaftspolizisten aus ganz Bayern sind für den Einsatz nach Augsburg gekommen.

Auch aus der Klinik Vincentinum, aus mehrere Seniorenheimen und Unterkünften für Obdachlose müssen Menschen in Sicherheit gebracht werden. Die Caritas teilte am Sonntag mit, die Evakuierung des Seniorenzentrums und des Ulrichheims sei "bei guter Stimmung" und ohne Schwierigkeiten abgelaufen. Nur vereinzelt hätten Bewohner Angst gehabt.

Datum bewusst gewählt

Weihnachtsgottesdienste mussten wegen der Evakuierung in andere Kirchen verlegt werden. Die Entschärfung sei von der Stadt gezielt auf den Weihnachtsfeiertag gelegt worden, da eine Räumung eines so großen Gebietes an einem Werktag nicht zu bewerkstelligen gewesen wäre. Zahlreiche Fabriken und Büros hätten sonst geschlossen werden müssen. Darüber hinaus sollte die gefährliche Bombe nicht eine weitere Woche unentschärft in der Stadt herumliegen.

In Augsburg werden immer wieder Fliegerbomben entdeckt. Bislang wurde allerdings noch nie eine so große Bombe gefunden. Die Region Augsburg war ein wichtiger Standtort der Flugzeugindustrie und damit ein Rüstungszentrum der Nationalsozialisten. Die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg mehrfach von den Alliierten bombardiert. Die bislang bundesweit größte Evakuierung wegen einer Fliegerbombe gab es im Jahr 2011 in Koblenz, dort waren 45.000 Einwohner betroffen.