Der angeklagte Fahrdienstleiter im Prozess um das Zugunglück von Bad Aibling soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft zu vier Jahren Haft verurteilt werden. Nach Überzeugung der Anklagebehörde ist der Bahnmitarbeiter der fahrlässigen Tötung in vollem Umfang schuldig. Oberstaatsanwalt Jürgen Branz hielt dem 40-Jährigen in seinem Plädoyer "kopfloses Verhalten" vor.

Branz listete eine ganze Kette von Fehlentscheidungen bei der Arbeit im Stellwerk auf und rügte vor allem, dass der Angeklagte bis kurz vor dem Zusammenstoß der beiden Züge auf seinem Handy gespielt hatte, was verboten war: "Letztlich liegt hier der Grund für die Fehlhandlungen des Angeklagten", so der Staatsanwalt vor dem Landgericht Traunstein. Ein technischer Fehler scheide aus.

Am 9. Februar waren zwei Züge auf der Bahnstrecke zwischen München und Rosenheim frontal zusammengestoßen. Bei dem Unglück starben zwölf Menschen, fast 90 wurden teils lebensgefährlich verletzt. Durch die Ermittlungen stellte sich heraus, dass der Fahrdienstleiter im Stellwerk mehrere Signale falsch gestellt hatte. Beim Absetzen eines Notrufes drückte er eine falsche Taste. Der Alarm erreichte die Lokführer nicht. Dadurch kam es zum Frontalzusammenstoß auf eingleisiger Strecke.

Zu Prozessbeginn hatte der 40-Jährige gestanden, bis kurz vor dem Zusammenstoß der beiden Züge am 9. Februar ein Fantasy-Rollenspiel auf seinem Handy gespielt zu haben. Bereits in den Wochen vor dem Unglück hatte der Angeklagte immer öfter und länger gespielt. Von einer Spielsucht wollte ein als Sachverständiger vorgeladener Neuropsychologe nicht sprechen, wohl aber von einem "problematischen Spielverhalten".

Indes wurde im Laufe des Verfahrens auch bekannt, dass die Bahn auf der Unglücksstrecke seit mehr als 30 Jahren veraltete Signaltechnik einsetzt. Eine Vorschrift von 1984, zusätzliche Anzeigen zu installieren, war nicht umgesetzt worden, wie ein Unfallexperte des staatlichen Eisenbahn-Bundesamtes aussagte. Die Bahn muss dies nur im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten tun.