Berlin: Der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt

Zwölf Menschen starben beim Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. Die Entwicklungen können Sie in unserem Liveblog nachlesen. (also in English)
Eine Rose zum Gedenken an die Opfer des Anschlags vom 19. Dezember in Berlin. © Odd Andersen/AFP/Getty Images

English version below

  • Ein Lastwagen ist am Montagabend in Berlin in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz gefahren.
  • Es wurden zwölf Menschen getötet, darunter der polnische Beifahrer des Lkw.
  • 45 Menschen wurden verletzt, 30 davon schwer.
  • Die Terrororganisation "Islamischer Staat" hat die Verantwortung für den Anschlag reklamiert.
  • Der Lastwagen wurde einer polnischen Speditionsfirma gestohlen.
  • Ein erster Verdächtiger wurde am Dienstagabend freigelassen. 
  • Seit Mittwoch ist ein neuer Verdächtiger europaweit zur Fahndung ausgeschrieben. Er ist Tunesier und war als islamistischer Gefährder bekannt.
  • Sein Asylantrag wurde im Sommer 2016 abgelehnt, wegen fehlender Papiere konnte er nicht abgeschoben werden.
  • Was wir sicher über das Geschehen am Weihnachtsmarkt wissen, lesen Sie hier. Eine Twitterliste finden Sie hier.

English

  • A semi truck drove into a Christmas market at the Kaiser Wilhelm Memorial Church in Berlin.
  • Twelve people were killed and 48 were injured.
  • The extremist militia Islamic State has claimed responsibility for the attack
  • The truck belongs to a Polish freight company
  • One suspect was arrested and later released by the prosecutors. 
  • A new suspect has been the subject of a Europe-wide arrest warrant since Wednesday. The man is a Tunisian identified as a potential Islamist threat.
  • Officials rejected his request for asylum during the summer of 2016, but he could not be deported because he didn't have a passport and Tunisia refused to recognize him as a citizen.
  • What we know about the events at the Christmas market, read here. Find our Twitterlist here.
Übersichtskarte des Anschlages auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin

  • 19:29 Uhr
    Lisa Caspari

    Liebe Leser, wir schließen nun unser Liveblog. Lesen Sie hier die Entwicklungen der vergangenen zwei Tage nach.


    Nach dem Anschlag in Berlin wird nun öffentlich und europaweit nach einem Verdächtigen gefahndet. Die Geldbörse des 24-jährigen Tunesiers Anis Amri war in dem Führerhaus des Lkw gefunden worden, der am Montag in einen Weihnachtsmarkt gerast war. 

    Innenminister Thomas de Maizière hat betont, dass es noch nicht sicher ist, ob Amri der Täter ist. Der Mann war den Sicherheitsbehörden aber als islamistischer Gefährder bekannt. Für Hinweise auf seinen Aufenthaltsort wurde eine Belohnung von bis zu 100.000 Euro ausgesetzt. Das BKA warnt: Amri sei möglicherweise bewaffnet und gefährlich.

    Amri soll sich schon seit 2011 in Italien aufgehalten haben. Er wird als "hoch mobil" beschrieben. Sicher ist, dass er im Juli 2015 nach Deutschland kam. Sein Asylantrag wurde ein Jahr später abgelehnt.  Er konnte aber nicht abgeschoben werden, weil er keine gültigen Passdokumente bei sich hatte und Tunesien ihn zunächst nicht als Staatsbürger anerkannte.


    In English

    We will now close our live blog. Read all about the current developments regarding the Berlin attack and the manhunt for a Tunesian citizen here.

    The German Federal Criminal Police Office has launched a manhunt for a Tunisian citizen named Anis Amri. It is not clear yet that the Tunisian currently being sought was the perpetrator in Berlin. 

    A reward of up to 100,000 euros is being offered for information leading to his arrest. But prosecutors are also urging caution: "He may be armed and violent," the Federal Prosecutor's Office warned in a press release. Several security authorities had deemed the man to be a potential Islamist threat.

    The man is described as being "highly mobile". He is supposed to have come to Italy in 2011 and moved to Germany in July 2015. One year later,  officials rejected the man's request for asylum. Communications with Tunisia also proved to be sluggish. The country has disputed that the man is a Tunisian citizen, noting he did not possess the necessary ID documents.

    Read more Blogposts in English below.

  • 19:28 Uhr
    Lisa Caspari

    Die Berliner Justiz hat Anis Amri monatelang observiert. Wie die Generalstaatsanwaltschaft der Hauptstadt am Mittwochabend mitteilte, wurde der Tunesier von März bis September diesen Jahres beobachtet. Man habe herausfinden wollen, ob Amri einen Einbruch plane, um sich Geld für den Kauf von automatischen Waffen zu beschaffen."Möglicherweise auch, um damit später mit noch zu gewinnenden Mittätern einen Anschlag zu begehen", teilte die Behörde mit. Der Verdacht habe sich nicht erhärtet.

  • 18:32 Uhr
    Lisa Caspari

    Der "Islamische Staat" hat sich zum Anschlag in Berlin bekannt. Aber die deutschen Sicherheitsbehörden sind nicht sicher, ob das stimmt. Das IS-Bekenntnis werde zwar als authentisch bewertet, aber es gebe Zweifel, weil darin kein Täterwissen enthalten sei, sagte der Grünen-Politiker Konstantin von Notz nach einer Sitzung des Innenausschusses in Berlin. In der internen Sitzung hatten Spitzenvertreter der Sicherheitsbehörden Fragen der Parlamentarier beantwortet.

  • 18:16 Uhr
    Lisa Caspari

    Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP haben tunesische Antiterrorermittler die Familie von Anis Amri in Tunesien befragt. Demnach wurde Amri in Tunesien mehrfach wegen Drogendelikten festgenommen. 2011 sei er nach Italien gekommen, wo er drei Jahre verbracht habe. Danach sei er nach Deutschland weitergereist.

  • 18:01 Uhr
    Lisa Caspari


    Das Bundeskriminalamt hat dieses Foto von Anis Amri veröffentlicht. Die Duldungspapiere des Tunesiers sollen in dem Laster gefunden sein, der am Montagabend in einen Berliner Weihnachtsmarkt gefahren war. Bei dem Anschlag waren 12 Menschen getötet und 48 zum Teil schwer verletzt worden.

  • 17:43 Uhr
    Lisa Caspari

    Das Bundeskriminalamt fahndet nun öffentlich nach dem Tunesier Anis Amri. Für Hinweise zur Ergreifung des 24-Jährigen sind bis zu 100.000 Euro Belohnung ausgesetzt.

    Anis Amri ist 178 Zentimeter groß und wiegt etwa 75 Kilogramm. "Vorsicht: Er könnte gewalttätig und bewaffnet sein", schreibt die Bundesanwaltschaft in einer Pressemeldung. Hinweise könnten bei jeder Polizeidienststelle abgegeben werden.

    In Englisch

    The German Federal Criminal Police Office has launched a manhunt for a Tunisian citizen named Anis Amri. A reward of up to 100,000 euros is being offered for information leading to his arrest.


    Anis Amri is 178 centimeters (5'10") tall and weighs approximately 75 kilograms (165 pounds). But prosecutors are also urging caution: "He may be armed and violent," the Federal Prosecutor's Office warned in a press release. It also said that tips can be delivered to any police station.

  • 16:46 Uhr
    Lisa Caspari

    Nach den Terroranschlägen von Berlin sind auch in anderen Ländern die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden.


    Die französische Regierung teilte mit, dass sie die Grenzkontrollen zu Deutschland verschärft hat. Außerdem lässt sie präventiv verdächtige Personen festnehmen. Auf Weihnachtsmärkten wird kontrolliert, ob die Veranstalter wie angeordnet Taschen durchsuchen lassen und Betonabsperrungen an den Eingängen errichtet haben.

    Am Buckingham-Palast in London wurden zusätzliche Barrieren errichtet.

    In Moskau sollen wichtige Kreuzungen in der Nähe von Straßenveranstaltungen mit abgestellten Schwerlastern verriegelt werden. "Wir verstehen und sehen, was in der Welt geschieht, auch unter Verwendung von Lastwagen", sagte der Chef der Straßenpolizei Viktor Kowalenko der Nachrichtenagentur Ria-Nowosti.

  • 16:18 Uhr
    Lisa Caspari


    Vereint gegen den Terror: Am Mittwoch haben Berliner vor der Gedächtniskirche das Lied We are the world gesungen.

  • 15:52 Uhr
    Lisa Caspari

    Der tatverdächtige Tunesier könnte im Sommer im süddeutschen Ravensburg in Haft gesessen haben. Eine Person mit seinem Namen sei am 30. Juli bei einer Routinekontrolle der Polizei festgenommen worden, weil sie abgeschoben werden sollte, sagte der Leiter des Amtsgerichts Ravensburg, Matthias Grewe am Mittwoch. 


    Es sei allerdings noch nicht sicher, ob er auch tatsächlich der Gesuchte sei. Nach der Festnahme sei er für ein paar Tage in Haft gewesen, dann aber auf Anordnung der Ausländerbehörde im nordrhein-westfälischen Kleve entlassen worden.

  • 15:38 Uhr
    Sybille Klormann

    Der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Ralf Jäger (SPD), informiert über den derzeitigen Kenntnisstand bezüglich des Mannes, nach dem seit Mitternacht gefahndet wird. Jäger sagt: Noch sei überhaupt nicht geklärt, ob der Tunesier, nach dem gefahndet werde, auch der Attentäter von Berlin sei. Es sei lediglich ein Dokument des Mannes am Tatort gefunden worden.

    Der Tatverdächtige sei im Juli 2015 nach Deutschland eingereist, war zwischenzeitlich im baden-württembergischen Freiburg und habe im Februar 2016 seinen Lebensmittelpunkt nach Berlin verlegt. Vorher habe er sich in Nordrhein-Westfalen befunden und sei dorthin auch noch einmal "kurz" zurückgekehrt. Der Mann sei "hochmobil" gewesen, sagt Jäger.

    Im Juli 2016 sei der Asylantrag des Mannes abgelehnt worden. Sein Lebensmittelpunkt sei damals schon in Berlin gewesen. Die Ausländerbehörde in Kleve habe das Abschiebeverfahren des Mannes aber weiter bearbeitet.

    Die Kommunikation mit Tunesien sei zäh verlaufen: Das Land habe bestritten, dass der Mann tunesischer Staatsbürger sei, entsprechende Ausweispapiere habe der Mann nicht besessen. Seine Ersatzpapiere aus Tunesien seien am heutigen Mittwoch – also einige Monate später – eingetroffen.

    Mehrere Sicherheitsbehörden – nicht nur in Nordrhein-Westfalen – hätten den Mann als Gefährder eingestuft. Er wurde verdächtigt, eine schwere staatsgefährdende Straftat vorzubereiten. Deutsche Sicherheitsbehörden kennen derzeit 549 Gefährder. Wer dazu zählt und wie sie observiert werden, lesen Sie hier.

    In English

    Ralf Jäger, interior minister for the state of North Rhine-Westphalia, a member of the center-left Social Democratic Party, held a press conference Wednesday afternoon on what is currently known about the man police have been hunting since midnight.

    Jäger said it is not clear yet that the Tunisian currently being sought was the perpetrator in Berlin. He said investigators were currently going by a document belonging to the man found at the scene of the attack.

    He said the suspect arrived in Germany in July 2015 and had spent some time in the city of Freiburg in Baden-Württemberg and eventually moved to Berlin in February 2016. He had previously resided in North Rhine-Westphalia and returned again "briefly". Jäger described the man as being "highly mobile."

    In July 2016, officials rejected the man's request for asylum. Even though he had mostly been living in Berlin at that time, the immigration authority in distant Kleve continued to manage the man's deportation proceedings.
     
    Communications with Tunisia also proved to be sluggish. The country has disputed that the man is a Tunisian citizen, noting he did not possess the necessary ID documents. His replacement papers first arrived from Tunisia today, a few months later.
     
    Several security authorities – and not just in North Rhine-Westphalia – had deemed the man to be a potential Islamist threat. They suspected he was preparing a serious act of violent subversion. German security authorities currently have 549 individuals identified as potential threats on their radar.

  • 15:30 Uhr
    Lisa Caspari

    Der Verdächtige soll Tunesier und in Deutschland nur geduldet gewesen sein. Sein Asylantrag wurde im Juli 2016 abgelehnt. Innenminister de Maizière betont, dass nicht gesichert ist, dass der junge Mann die Tat begangen hat. Der Geldbeutel des Tunesiers war im Lkw gefunden worden, der in den Weihnachtsmarkt fuhr.


    Dennoch haben bereits mehrere Unionspolitiker gefordert, Marokko, Tunesien und Algerien zu sicheren Herkunftsstaaten zu erklären. Ein entsprechendes Gesetz der Bundesregierung liegt im Bundesrat und wird von den Grünen und Teilen der SPD blockiert. 

    Asylanträge, die von Menschen aus einem sicheren Herkunftsland gestellt werden, können einfacher abgelehnt werden, daher sieht das die Union als geeignetes Mittel, um solche Staatsbürger schneller abschieben zu können. Der CSU-Innenpolitiker Stephan Mayer und der CDU-Innenexperte Armin Schuster glauben, dass ein abgelehnter Tunesier gar nicht mehr in Deutschland gewesen wäre, wäre das Gesetz schon in Kraft gewesen.

    Doch selbst wenn die Abschiebung eines Asylbewerbers schnell beschlossen wird: Oft gibt es andere Hindernisse, die einer schnellen Ausreise des Betroffenen entgegenstehen. Manche nordafrikanische Länder nehmen ihre Staatsbürger beispielsweise nicht zurück. Der Tatverdächtige hatte keine gültigen Ausweispapiere seines Heimatlands, wie Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger sagte. Tunesien habe ihn zunächst nicht als Staatsbürger anerkannt.

    Über das Pro und Contra von sicheren Herkunftsstaaten können Sie sich hier und hier informieren.

  • 15:23 Uhr
    Sybille Klormann

    Zur Stunde durchsuchen Beamte eine Flüchtlingsunterkunft im nordhein-westfälischen Emmerich, berichtet RP-Online. Demnach seien mehr als 150 schwer bewaffnete Polizisten im Einsatz. 


    Der gesuchte Tunesier soll sich in diesem Jahr längere Zeit in Nordrhein-Westfalen aufgehalten haben. Dort, im Kreis Kleve, wurden seine Ausweisdokumente ausgestellt. Der Innenminister von NRW, Ralf Jäger, wird gegen 15.30 Uhr eine Pressekonferenz abhalten. 

  • 15:13 Uhr
    Sybille Klormann

    Armin Schuster von der CDU nutzt den Anschlag für neue Forderungen in der Asyl- und Flüchtlingspolitik. Er erinnert daran, dass sich der Tunesier immer noch in Deutschland aufhalten konnte – obwohl sein Asylantrag schnell abgelehnt worden war. Für Schuster ist im Januar wieder die "Stunde der Parlamentarier" gekommen. Dann müsste noch einmal über Transitzentren in Afrika und die Ausweitung der Liste sicherer Herkunftsländer diskutiert werden. Dies werde vom Koalitionspartner SPD blockiert, die Beschlussvorlagen der CDU lägen aber längst vor – und seien notwendig, so Schuster.


    Zum gesuchten Tunesier sagte Schuster, man könne davon ausgehen, dass von ihm keine allzu große Gefahr ausgehe. Auch sei er guter Hoffnung, dass der Mann gefasst werde.

  • 14:51 Uhr
    Sybille Klormann

    Burkhard Lischka von der SPD tritt nach der Sondersitzung des Innenausschusses vor die Presse: Der Tunesier sei den Sicherheitsbehörden seit Anfang des Jahres als Gefährder bekannt. Es sei aber nicht sicher, ob er der Berliner Attentäter sei.


    Er sei vorsichtig geworden, voreilige Schlüsse zu ziehen, sagte Lischka. Die Festnahme des Pakistaners, den der Generalbundesanwalt am Dienstag gehen ließ, habe ihn eines Besseren belehrt.

    Frank Tempel von der Linken mahnte, die Papiere des Tunesiers, die am gestrigen Dienstag in dem Lkw gefunden wurden, könnten dort auch platziert worden sein. Man müsse mit "gesunder Skepsis" ermitteln. Namen von Verdächtigen sollten nicht voreilig an die Presse gelangen. Er sei aber zuversichtlich, dass die Polizei bald einen Erfolg vermelden könne. 

  • 14:48 Uhr
    Adrian Pohr

    Die IS-nahe Agentur Amak hat sich zu dem Anschlag in Berlin bekannt. Terrorismusexperte Yassin Musharbash erklärt, welche Erkenntnisse daraus gewonnen werden können.

  • 14:31 Uhr
    Sybille Klormann

    An der deutsch-französischen Grenze werden die Kontrollen verschärft – dieses Mal auf Drängen der französischen Regierung. In weiteren Mitteilungen an die Präfekten ordnet das Innenministerium zudem eine Neubewertung der Risiken für Orte mit großem Besucherandrang und eine Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen für Weihnachtsmärkte an.

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