Nach den Straftaten von Freiburg und Bochum hat der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) vor einem Generalverdacht gegen Flüchtlinge gewarnt. "Die Taten sind abscheulich und grausam, aber daraus einen direkten Zusammenhang zu der Flüchtlingswelle herzustellen, missbraucht die Opfer ein zweites Mal", sagte Oliver Malchow den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Er verstehe zwar, dass Diskussion und Ängste entstehen können, wenn binnen so kurzer Zeit zweimal Flüchtlinge als Tatverdächtige schwerster Straftaten entdeckt werden. Aber es sei die Aufgabe der Polizei, sich den Tatbestand genau anzuschauen und nicht noch Ängste zu schüren. "Wichtig ist, die Straftaten aufzuklären. Die Täter müssen wissen, dass sie in Deutschland einem hohen Entdeckungsrisiko ausgesetzt sind", sagte Malchow.

Im Jahr 2015 hatte es laut dem Polizeigewerkschaftler Malchow mehr als 7.000 Vergewaltigungsfälle in Deutschland gegeben – die niedrigste Zahl seit 2011. Dabei liege "der Anteil von Sexualdelikten bei allen von Zuwanderern begangenen Straftaten bei unter einem Prozent", sagte der GdP-Chef.

Im Fall der getöteten Freiburger Studentin steht ein 17-jähriger unbegleiteter Flüchtling im Verdacht, die 19-Jährige vergewaltigt und getötet zu haben. Die Medizinstudentin war Mitte Oktober auf dem Heimweg von einer Uniparty vergewaltigt worden, ihre Leiche wurde in der Dreisam gefunden. Den Ermittlern zufolge ist sie ertrunken. Eine weiterer Fall im Zusammenhang mit Sexualdelikten ereignete sich im Bochumer Univiertel Anfang Dezember. Dort wurde ein 31-jähriger Mann unter Vergewaltigungsverdacht verhaftet, Opfer waren zwei chinesische Studentinnen.

Der Chef der zweiten großen Polizeigewerkschaft, der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, hatte einen direkten Zusammenhang zwischen diesem Fall und den Flüchtlingen hergestellt: Dieses und viele andere Opfer "würde es nicht geben, wäre unser Land auf die Gefahren vorbereitet gewesen, die mit massenhafter Zuwanderung immer verbunden sind". Während Angehörige trauern und Opfer unsägliches Leid erführen, schwiegen die Vertreter der "Willkommenskultur". Aus der SPD wurde Wendt deshalb scharf kritisiert: Er schüre einen Generalverdacht gegen Flüchtlinge, sagte der stellvertretende Parteivorsitzende Ralf Stegner.

Auch der Oberbürgermeister von Freiburg, Dieter Salomon, wandte sich gegen die Sichtweise, ohne die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel würde die getötete Frau noch leben. "Das ist natürlich banal. Diesen Dreisatz kriegt ein Dreijähriger hin, aber das ist politischer Unsinn", sagte der Grünen-Politiker dem Deutschlandfunk. Wenn eine Million Menschen nach Deutschland komme, sei klar, dass die in einem bestimmten Maße Schaden anrichteten – wie sie auch Gutes täten. "Stellen Sie sich vor, es wäre ein amerikanischer Tourist gewesen. Hätte man dann gesagt: Wenn es keine amerikanischen Touristen gäb, wäre sowas nicht passiert? Auch im Falle eines Polen oder Tschechen hätte keiner die Freizügigkeit in der EU infrage gestellt. Das ist doch Unsinn."