In Niedersachsen profitieren Hilfsorganisationen wie die Johanniter-Unfallhilfe laut einem Bericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) von der Flüchtlingshilfe. "Mit einem Ergebnis von über 20 Millionen Euro ist dieser Bereich immer noch der wesentliche Faktor für das sehr gute Ergebnis des Landesverbandes", heißt es in einem Bericht der Johanniter für das dritte Quartal 2016, aus dem die HAZ zitiert. Der hauptamtliche Landesvorstand Thomas Mähnert sprach der Zeitung gegenüber von einer "Momentaufnahme".

Offizielle Zahlen von den Johannitern, dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und den Maltesern, die alle an der Unterbringung, Versorgung und zum Teil auch der Integration der Flüchtlinge in Niedersachsen beteiligt sind, gebe es noch nicht. Die Abrechnungen liefen noch, schreibt das Blatt. Eine Sprecherin des niedersächischen Innenministeriums bestätigte aber, dass das Land für die Erstversorgung Pauschalbeträge und Abschläge zahle, "um die Hilfsorganisationen zu entlasten und deren Liquidität sicherzustellen".

Dabei seien die Pauschalen laut HAZ mehr als kostendeckend. Ursprünglich hätten die Johanniter mit einem Plus von 3,5 Millionen Euro in den ersten neun Monaten des Jahres gerechnet, das der Flüchtlingshilfe zuzuordnen sei. Nun stünden sogar etwas mehr als 20 Millionen Euro in den Büchern. Davon seien "Investitionen getätigt und Maßnahmen ergriffen worden, die ohne die Überschüsse in der Flüchtlingshilfe unterblieben wären", zitiert das Blatt aus dem ihm vorliegenden Bericht. So habe der Verband beispielsweise für rund eine halbe Million Euro Geräte für den Hausnotruf vorzeitig ausgetauscht.

Gegenüber der HAZ verwies Landesvorstand Mähnert darauf, dass die Bilanz noch nicht abgeschlossen und viele Kosten noch nicht erfasst worden seien. Er gehe aber davon aus, dass in der Flüchtlingshilfe Geld übrig bleiben werde. Das liege daran, dass zum Zeitpunkt, als die Verträge ausgehandelt wurden, von einem länger anhaltenden Zuzug von Flüchtlingen ausgegangen worden sei. Das Land habe aber seine Pauschalen den tatsächlichen Gegebenheiten bis heute nicht angepasst. 

Offenbar findet nun eine Überprüfung statt, das Land Niedersachsen will laut Innenministerium feststellen, ob die Zahlungen angemessen waren – und notfalls Geld zurückfordern. Alle Kosten würden jetzt "auf ihre sachliche und rechnerische Richtigkeit geprüft", sagte eine Sprecherin des Ministeriums. "Eine aktuelle valide Auskunft, welche Summe den Hilfsorganisationen ausgezahlt wurde", sei derzeit noch nicht möglich. Im Haushalt des Landes sind in diesem Jahr laut HAZ 681 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe vorgesehen.