75 Prozent aller Opfer des weltweiten Menschenhandels sind Frauen. Das zeigt ein neuer Report des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), der am Mittwoch in Wien und New York vorgestellt wurde. Etwa die Hälfte der Betroffenen seien erwachsene Frauen, 20 Prozent minderjährige Mädchen. Der Anteil geschleuster Männer steige: 2004 waren es noch 13 Prozent, 2014 21 Prozent. Davon sind knapp ein Drittel Kinder – wie auch ein vor zwei Jahren veröffentlichter UN-Report zeigte.

"Schleuserei zur sexuellen Ausbeutung und zur Zwangsarbeit bleiben die beiden häufigsten Fälle", sagte UNODC-Direktor Juri Fedotow. Viele Opfer würden auch für Zwangsheiraten gehandelt oder um als Bettler zu arbeiten, als Betrüger oder in der Pornografie. Menschenhandel werde häufig durch Konflikte und Terrorregimes begünstigt. Starke Militärpräsenz sorge oft für eine hohe Nachfrage von Arbeitskräften und Sexarbeitern.

Auch Deutschland wird in dem Report aufgeführt. Wie in den meisten Ländern Westeuropas stammte ein Großteil der Geschleusten aus Mittel- und Südosteuropa. Jährlich gebe es deswegen hierzulande zwischen 90 und 150 Festnahmen.

Insgesamt erfasst der Bericht von 2012 bis 2014 63.251 Fälle und 14.191 festgenommene Schleuser. Der Report enthält jedoch noch keine Daten zu Menschenhändlern im Zusammenhang mit den Flüchtlingsbewegungen 2015 und 2016.

Einen Tag vor Veröffentlichung der Zahlen hatte der UN-Sicherheitsrat erstmals eine Resolution zu Menschenhandel in Konfliktgebieten beschlossen. "Menschenhandel ist ein weltweites Problem", sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, "IS, Boko Haram, Al Shabaab und andere nutzen Menschenhandel und sexuelle Gewalt für ihren Terror – und als wichtige Einnahmequelle". Das Abkommen legt Mitgliedsstaaten nahe, diesen als Straftat zu definieren und so Opfer zu schützen und Schleuser zu verfolgen.

Anders als im ursprünglichen Entwurf wurden Passagen dazu gestrichen, dass Opfer von Menschenhändlern in anderen Staaten leichter Asyl bekommen sollten. Die Resolution war von Spanien eingereicht worden, dem derzeitigen Vorsitz des Sicherheitsrats.