Der mutmaßliche Täter im Fall der ermordeten Freiburger Studentin soll bereits vor seiner Einreise nach Deutschland in einem griechischen Gefängnis gesessen haben. Eine griechische Anwältin identifizierte den verdächtigen Afghanen als ihren Mandanten aus einem Prozess wegen einer früheren schweren Straftat gegen eine Frau. "Ja, das ist der junge Mann, den ich 2013 verteidigt habe. Ich habe keine Zweifel", sagte die Rechtsanwältin Maria-Eleni Nikolopoulou der Deutschen Presse-Agentur. Sie habe ihn auf Fotos identifizieren können. Den Freiburger Fall habe sie in den Medien verfolgt. Die Süddeutsche Zeitung berichtete, ein Abgleich der Fingerabdrücke beider Fälle habe dies bestätigt.

Laut Nikolopoulou wurde der Verdächtige im Februar 2014 in Griechenland zu zehn Jahren Haft verurteilt, nachdem er 2013 eine Frau überfallen und eine Klippe hinuntergestoßen hatte. Die Frau sei schwer verletzt worden, der Täter sei nach etwa eineinhalb Jahren unter Auflagen freigelassen worden. 

Wie die Anwältin weiter sagte, ergab ein Altersgutachten, dass der mutmaßliche Täter bereits 2013 in einem Alter zwischen 16 und 17 Jahren eingestuft wurde. Den Daten der griechischen Behörden nach wurde er am 1. Januar 1996 geboren. Demnach wäre er nun 20 Jahre alt. Bei seiner Einreise nach Deutschland 2015 hatte er sich als 16-Jähriger vorgestellt. Das Alter ist wichtig, da davon abhängt, ob der Freiburger Mordfall nach Jugendstrafrecht verhandelt wird.

Das Innenministerium konnte die Informationen zunächst nicht bestätigen. "Wir haben auch unseren Verbindungsbeamten in Athen gebeten, unmittelbar auf die griechischen Behörden zuzugehen, um hier Klarheit zu erhalten", sagte ein Sprecher. Man wisse bisher aus Angaben des Verdächtigen, dass er über Österreich eingereist sei und am 12. November 2015 einen Asylantrag gestellt habe. Der Mann sei "vollständig erkennungsdienstlich behandelt" worden, beim Prüfvorgang habe es keinen Treffer gegeben. Auch hätte es keine Fahndungsausschreibung bei Interpol oder im Schengener Informationssystem gegeben.

Dem Verdächtigen wird vorgeworfen, die 19 Jahre alte Studentin aus Freiburg am 16. Oktober vergewaltigt und ermordet zu haben. Der Mordfall hatte schon vor der Festnahme bundesweite Aufmerksamkeit erregt und eine Debatte um die Berichterstattung der Medien ausgelöst.