Nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) sitzen derzeit weltweit mindestens 348 Medienschaffende wegen ihrer Arbeit im Gefängnis. Das seien sechs Prozent mehr als vor einem Jahr und damit mehr als je zuvor, teilte die international tätige Nichtregierungsorganisation mit. Die "Repressionswelle seit dem Putschversuch in der Türkei" habe die Zahl der weltweit inhaftierten Journalisten in diesem Jahr deutlich in die Höhe getrieben, hieß es.

Die meisten der Inhaftierten befänden sich in der Türkei, China, Syrien, Ägypten und dem Iran im Gefängnis. Unter den inhaftierten 348 Medienschaffenden seien neben 187 professionellen Journalisten auch 146 Blogger und sogenannte Bürgerjournalisten sowie 15 sonstige Medienmitarbeiter.

"Hexenjagd gegen Journalisten in der Türkei"

"Die Hexenjagd gegen Journalisten in der Türkei sprengt alle bekannten Dimensionen", sagte ROG-Vorstandssprecherin Britta Hilpert. "Dass sich die Türkei, die ja immer noch EU-Beitrittskandidat ist, in einer Reihe mit notorischen Feinden der Pressefreiheit wie den Regimen in China, Syrien und dem Iran findet, ist bezeichnend für das drastische Vorgehen der türkischen Behörden gegen die Pressefreiheit", sagte sie.

In den Gefängnissen der Türkei sitzen den Angaben zufolge derzeit weit über 100 Journalisten. Einen Zusammenhang der Inhaftierung mit ihrer journalistischen Tätigkeit konnte ROG nach einer Prüfung bei 41 von ihnen feststellen. Oft würden die Verhafteten selbst längere Zeit nicht erfahren, was ihnen zur Last gelegt wird.

Die Verhaftung des Chefredakteurs der letzten regierungskritsichen Zeitung Cumhuriyet und 12 seiner Mitarbeiter hatte international für Kritik gesorgt. Im November 2015 waren bereits der damalige Cumhuriyet-Chefredakteur Can Dündar und der Hauptstadtbüroleiter des Blattes, Erdem Gül, nach brisanten Enthüllungen der Zeitung festgenommen und zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Beide wurden später wieder freigelassen. Dündar lebt inzwischen in Deutschland, um einer möglichen Haftstrafe zu entgehen.

103 Journalisten sitzen in China im Gefängnis

Neben der Türkei sei China weltweit das Land mit den meisten Medienschaffenden, die wegen ihrer Arbeit im Gefängnis sitzen. Derzeit sind es laut ROG mindestens 103, in Ägypten seien mindestens 27 Journalisten wegen ihrer Arbeit in Haft. Das Regime von Präsident Abdel Fattah al-Sissi gehe "gnadenlos gegen jeden vor, der – oft auf sehr zweifelhafter Grundlage – verdächtigt wird, in Kontakt zur Muslimbruderschaft zu stehen", hieß es.

In Syrien säßen mindestens 28 Journalisten wegen ihrer Arbeit in den Gefängnissen des Regimes von Präsident Baschar al-Assad. Auch ihre Kollegen im Iran würden ausspioniert, verfolgt, verhört und unter oft erbärmlichen Haftbedingungen eingesperrt. Mindestens 24 säßen dort wegen ihrer Tätigkeit im Gefängnis. Allein in der irakischen Millionenstadt Mossul halten IS-Kämpfer laut ROG seit fast zwei Jahren zehn Journalisten und Medienmitarbeiter in ihrer Gewalt.

52 Medienschaffende seien derzeit weltweit entführt und zwar in Syrien, im Jemen und im Irak. 21 von ihnen befänden sich in der Gewalt der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Die hohe Zahl entführter Journalisten zeige "einmal mehr, dass die unabhängige Berichterstattung stets zu den ersten Opfern eines Krieges gehört", sagte Hilpert.

Ein Journalist sei 2016 verschwunden: Von Jean Bigirimana fehlt jede Spur, seit er Ende Juli in Burundi zuletzt in Gewahrsam von Geheimdienstbeamten gesehen wurde. 

Die Organisation Reporter ohne Grenzen veröffentlichte damit den ersten Teil ihrer "Jahresbilanz der Pressefreiheit". Der zweite Teil mit den Zahlen getöteter Journalisten sowie den gefährlichsten Regionen für Reporter soll am 19. Dezember folgen.