Der Saal im Dresdner Ballhaus Watzke ist warm erleuchtet, die Tafeln zwischen den Marmorsäulen sind mit Kerzen, Äpfeln und Schokoweihnachtsmännern dekoriert. Die knapp 400 Gäste plaudern, speisen Gänsebraten mit Rotkohl, lachen über die Pointen des Kabarettisten Uwe Steimle, dann legt DJ Happy Vibes Musik auf.  

Die meisten sind zum ersten Mal hier. Es sind Mütter, Kinder, auch bärtige Männer, die man sonst auf Bahnhöfen oder in Wärmestuben sieht. Für viele von ihnen wird es das einzige Mahl in dem Dresdner Restaurant bleiben. Im Alltag fehlt das nötige Geld.

Ermöglicht hat das Weihnachtsessen der Verein Dresdner Bürger helfen Dresdner Obdachlosen und Bedürftigen e.V., gegründet am 21. Juli 2016, vom Finanzamt als mildtätig anerkannt. Vereinschef Ingolf Knajder ist der Hauptorganisator, 53 Jahre alt, Angestellter im Dresdner Autohaus Heike Hanisch GmbH, das auch einer der ersten Unterstützer des Vereins ist. Knajder hat die Idee mit dem Gänsebraten für Hilfebedürftige aus Berlin übernommen, wo er acht Jahre einen Reifen- und Autohandel leitete. In Berlin lädt der Unterhaltungskünstler Frank Zander seit 1995 Obdachlose zum Weihnachtsessen in ein Vier-Sterne-Hotel ein.

Der Unterschied: Für Zander macht es keinen Unterschied, woher seine Gäste kommen, für Knajder schon.

Knajders Verein beschränkt sein Engagement qua Satzung auf "Dresdner Obdachlose und Bedürftige". Er betont zwar auf Nachfrage, auch "Dresdner mit Migrationshintergrund" erhielten bei ihm Hilfe. Auch Flüchtlinge? "Das besprechen wir, wenn es soweit ist", weicht er aus.

Man muss nicht lange suchen, um die DNA dieses Vereins zu entschlüsseln. Er rekrutiert sich aus der islamfeindlichen Pegida-Bewegung, die hier in Dresden ihre Wurzeln hat. Knajder lief nicht nur bei den Montagsaufzügen mit, er stand neben Pegida-Mitgründer Lutz Bachmann auf der Bühne, trat als Ordner in Erscheinung, er ist fest mit dem rechten Milieu verwachsen. In seiner Wortwahl gegen "Gutmenschen" und Rassismusgegner ist er menschenfeindlich, auf der Straße wird er handfest. Andersdenkende beschimpft er als "elende Kommunisten Votze", die Linken-Vorsitzende Katja Kipping beleidigte er als "rote verlogene Stasi-Hexe", der erkrankten Oberbürgermeisterin Helma Orosz schrieb er: "Möge Sie der Krebs endlich holen".

Als junge Linke im Mai in Dresden aus einer Seitenstraße heraus gegen einen Pegida-Aufzug protestieren, stürmte Knajder hervor und versuchte, ihnen ihr Transparent zu entreißen. Er ist Administrator einer Facebook-Gruppe, die Dresden vor "Islam-Toleranz-Romantikern, Gutmenschen-Spinnern und Deutschland-Hassern!" schützen will.

Unter den Mitgliedern der Facebook-Gruppe der Obdachlosenhilfe ist neben Pegida-Mitorganisator Siegfried Daebritz auch der zweite Vereinsvorsitzende Uwe Riedel, ein Bauunternehmer, der auf Facebook für die NPD wirbt und die Identitäre Bewegung. Riedel sprach sich auch dafür aus, "dieses Drecksgesindel von "Politikern" auf[zu]hängen". Als die lokale FDP erfuhr, dass auch ihr Kreisvorstandsmitglied Jens Genschmar mit Knajder im Vereinsvorstand sitzt, stellte man ihn zur Rede. Statt zu antworten, trat Genschmar zurück.