Die monatelang belagerte syrische Stadt Aleppo soll vollständig evakuiert worden sein. Die letzten Kämpfer und Zivilisten sollen dabei sein, die verbliebenen Rebellengebiete zu verlassen. Das berichteten mehrere regierungstreue Medien und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstagabend. Damit ist die Stadt wieder vollständig unter Kontrolle des Assad-Regimes.

Auch den UN zufolge soll die Evakuierung der letzten Rebellengebiete im Osten der lange umkämpften und zum Schluss vom syrischen Regime eingekesselten Stadt fast abgeschlossen sein. Die Endphase sei erreicht, teilte der UN-Nothilfekoordinator für Syrien, Jan Egeland, am Donnerstag in Genf mit. 

Der Abzug der letzten verbliebenen Rebellen aus Ost-Aleppo hatte sich zunächst weiter verzögert. Heftiger Schneefall, Wind und der schlechte Zustand der für die Evakuierung genutzten Fahrzeuge hätten den Zeitplan zurückgeworfen, teilte das Internationalen Komitee des Roten Kreuzes mit. Wegen Unstimmigkeiten zwischen Rebellen und der syrischen Regierung war die Evakuierung zunächst außerdem mehrfach ausgesetzt worden. Augenzeugen und Aktivisten berichteten, Menschen hätten bei eisiger Kälte mehr als 36 Stunden ohne Essen und Trinken in Bussen ausharren müssen. Die humanitäre Lage in Ost-Aleppo ist wegen einer monatelangen Blockade Hilfsorganisationen zufolge katastrophal.

Die Konvois mit Zivilisten und Rebellen verlassen Ost-Aleppo über Ramussa in Richtung der von bewaffneten Kämpfern kontrollierten Provinz Idlib. Nach Angaben des Roten Kreuzes haben bereits 25.000 bis 35.000 Menschen diese Fluchtwege nehmen können.

Die Vereinten Nationen haben unterdessen 31 Beobachter in die syrische Stadt Aleppo entsandt. Die "internationalen und nationalen" Beobachter befänden sich derzeit vor dem Viertel Ramussa im Süden. Das teilte ein Sprecher des UN-Büros für humanitäre Angelegenheiten (Ocha) am Donnerstag in Genf mit. Einstimmig hatte der UN-Sicherheitsrat die Entsendung per Resolution am Montag beschlossen. Der Sprecher von Ocha, Jens Laerke, sagte, dass sich hundert weitere UN-Mitarbeiter, größtenteils Syrer, bereits in Aleppo befänden, allerdings nicht als Beobachter.