Nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt läuft eine intensive Fahndung nach dem Fahrer des Lastwagens. Verdächtigt wird seit Mittwoch ein Tunesier, dessen Duldungsbescheinigung im Fahrzeug gefunden wurde. Dieser Fund habe die deutschen Sicherheitsbehörden sicherlich elektrisiert, schreibt der britische Telegraph. Denn der Mann war der Polizei bekannt.

Immerhin habe die deutsche Politik bei seinem Asylgesuch nicht komplett versagt, schreibt der Telegraph. Der Asylantrag von Anis Amri wurde im Sommer abgelehnt, er konnte aber nicht abgeschoben werden, weil gültige Ausweispapiere fehlten. Diese trafen, was der Telegraph als "makaberste Ironie" bezeichnet, zwei Tage nach dem Anschlag ein. "Zweifellos zu tiefster Frustration dürfte bei der deutschen Polizei geführt haben, dass Amri bereits in Sommer verhaftet und zu einem nicht-terroristischen Fall befragt und wieder freigelassen wurde."

Die New York Times berichtete, Amri sei auch den amerikanischen Behörden bekannt gewesen und auf amerikanischen Flugverbotslisten geführt worden. Die Zeitung kritisiert die deutschen Behörden im Hinblick auf die Flüchtlingssituation: "Das Versagen, ihn in Obhut zu nehmen und abzuschieben, zeigt, dass Deutschland – das stolz ist auf seine Wir-schaffen-das-Mentalität – denselben Zusammenbruch erleidet wie Frankreich und Belgien."

Auch der britische Guardian sieht die deutschen Sicherheitsbehörden unter "enormem Erklärungsdruck", warum der verdächtige Tunesier nicht unter genauer Beobachtung stand. Zudem habe es von amerikanischen Behörden bereits im November eine Warnung gegeben, deutsche Weihnachtsmärkte wegen eines hohen Sicherheitsrisikos zu meiden. "Solch eine Warnung gab es von deutschen Behörden nicht."