Laut einer repräsentativen Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes steht eine Mehrheit der Befragten der gleichgeschlechtlichen Ehe positiv gegenüber. Die meisten Befragten glauben außerdem, dass nicht-heterosexuelle Menschen in Deutschland weiterhin von Diskriminierung betroffen sind. Die Studie wurde vom Sozialwissenschaftlichen Umfragezentrum durchgeführt. Sie untersucht die Einstellungen der Bevölkerung gegenüber Lesben, Schwulen und Bisexuellen sowie Meinungen zu Fragen der rechtlichen Gleichstellung wie Ehe und Adoptionsrecht.

Nach wie vor verbietet der deutsche Staat die gleichgeschlechtliche Ehe. Ebenso ist es homosexuellen Paaren nicht erlaubt, gemeinsam Kinder zu adoptieren. Dabei befürworten 82,6 Prozent der Befragten die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare. Bereits im Jahr 2006 hatten sich 64,9 Prozent der Befragten in einer ähnlichen Umfrage für die Öffnung ausgesprochen. Die Zustimmung ist somit innerhalb der letzten zehn Jahre um rund 18 Prozentpunkte gestiegen. 

Auch beim Thema Adoption spricht sich ein Großteil der Befragten für gleiche Rechte aus. Etwa drei Viertel gaben an, dass es lesbischen und schwulen Paaren genauso wie heterosexuellen Paaren erlaubt werden sollte, Kinder zu adoptieren. Rund ein Viertel ist eher oder deutlich dagegen. Dass gleichgeschlechtliche Paare genauso viel Unterstützung bei künstlichen Befruchtungen bekommen sollten wie heterosexuelle Paare, finden insgesamt zwei Drittel der Befragten, während ein Drittel dies ablehnt.  

Rund acht von zehn Befragten hielten die Aussage "Homo- und Bisexuelle werden heutzutage in Deutschland immer noch diskriminiert bzw. benachteiligt" für zutreffend. 19,5 Prozent gaben dagegen an, Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung stelle heutzutage kein Problem mehr dar. Die Einschätzung dieses Fünftels steht im Widerspruch zu den Alltagserfahrungen, die viele Homo- und Bisexuelle schildern.


Subtile Stereotype statt offene Homophobie

Obwohl eine grundsätzliche Abwertung von Homosexualität seltener geworden ist, sagte jeder zehnte Befragte, Homosexualität sei unmoralisch. Rund 90 Prozent stimmen dieser Aussage dagegen eher nicht zu. In der bereits erwähnten Umfrage aus dem Jahr 2006 hatten noch 21,8 Prozent der Befragten Homosexualität als unmoralisch beurteilt. Etwas verbreiteter ist dagegen die Abwertung von Homosexualität als "unnatürlich".

Dies spiegelt sich laut der Studie auch in den politischen und gesellschaftlichen Debatten wider. Neben offen rechtspopulistischen Positionen hatte vor Kurzem etwa auch Günther Oettinger von der "Pflicht-Homoehe"  gesprochen. In den USA werden vor dem Amtsantritt des designierten US-Präsidenten Donald Trump Reorientierungstherapien für Homosexuelle und sogenannte religious waiver bills diskutiert, die es Unternehmen sowie privaten und von religiösen Institutionen getragenen Krankenhäusern erlauben, homosexuellen Menschen aus religiösen Gründen Dienstleistungen vorzuenthalten.

Anstatt einer offenen Abwertung, so heißt es in der Studie, leben viele Stereotype in subtilerer Form fort. In der Forschung spricht man in diesen Fällen von moderner Homophobie. So vertraten vier von zehn Befragten die Ansicht, Lesben und Schwule würden zu viel Aufhebens um ihre Sexualität machen. Gut ein Viertel der Befragten gab an, möglichst wenig mit Homosexualität in Berührung kommen zu wollen und bemängelte, dass das Thema in den Medien zu präsent sei. Die Mehrheit der Befragten teilt diese Einschätzungen jedoch nicht.