Als Reaktion auf die Ausschreitungen zwischen Rechten und jungen Flüchtlingen im vergangenen Herbst auf dem Kornmarkt hat die Polizei in Bautzen Wohnungen von 18 Tatverdächtigen untersucht. Betroffen waren zwölf Asylbewerber im Alter zwischen 15 und 23 Jahren und sechs Deutsche im Alter von 17 bis 38 Jahren, wie die Polizeidirektion und die Staatsanwaltschaft Görlitz mitteilte.

Die Beamten stellten neben Mobiltelefonen, Speichermedien und Computern bei den deutschen Tatverdächtigen unter anderem auch zwei Schreckschusspistolen, einen Schlagring und zwei als Taschenlampe getarnte Elektroschocker sicher. Außerdem fanden sie geringe Mengen Betäubungsmittel. Durchsucht wurden auch Wohnungen und Unterkünfte in Hoyerswerda, Schönteichen und Gnaschwitz. Rund 130 Polizisten waren im Einsatz. Festnahmen gab es nicht.


Anlass für die Durchsuchungen waren die Ermittlungen zu den Konflikte vom 14. September sowie vom 1. und 2. November auf dem Kornmarkt. Demnach kam es am Abend des 14. September 2016 zu einem ersten Vorfall, als etwa 20 minderjährige Flüchtlinge und 80 Anhänger des rechten Spektrums auf dem zentralen Platz in Bautzen zusammenstießen. Der Marktplatz wird von vielen Flüchtlingen regelmäßig frequentiert, da es dort an vielen Stellen kostenloses WLAN gibt. An dem Abend kam die Gruppe der Rechtsextremen hinzu, rief Parolen, wonach der Kornmarkt ihnen gehört. Zeugen berichten von verbalen und tätlichen Auseinandersetzungen, von Flaschenwürfen sowie Körperverletzungen. Etwa 100 Polizisten versuchten dann die beiden Gruppen zu trennen. Sie brauchten Stunden und benutzten "aus Notwehr" Pfefferspray und Schlagstöcke. Aus der Gruppe der Asylbewerber flogen Flaschen, Holzlatten und andere Gegenstände, auch auf die Beamten.

Am 1. und 2. November desselben Jahres kam es dann erneut zu Gewaltexzessen. Ein Reporter von ZEIT ONLINE beobachtete, wie etwa 40 bis 50 Rechtsextreme am Holzmarkt der ostsächsischen Stadt zwei Flüchtlinge jagten. Einer der Flüchtlinge wurde bei der Verfolgungsjagd vom Fahrrad gerissen und mit einem Stein beworfen, beide Gejagten konnten jedoch weglaufen.  

Die Polizei war mit drei Streifenwagen anwesend. Teilweise seien die Neonazis mit dem Auto unterwegs gewesen und hätten sich dann auf Autos verteilt, um durch die Stadt zu fahren. Ein Polizeisprecher sagte damals auf Nachfrage, die Lage in Bautzen weise keine Besonderheiten auf. Am Tag zuvor war erst eine Gruppe von drei Geflüchteten von einem Rechtsextremen mit einer Pistole bedroht worden.

Insgesamt zählte die Polizei auf dem Kornmarkt 72 Einsätze bis zum September 2016, zudem gab es zwei Brandanschläge auf Asylbewerberheime: Im Februar 2016 löste der Anschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft bundesweit Entsetzen aus, da Schaulustige mit abfälligen Parolen den Brand kommentierten. Später wurde dann das Gelände einer Flüchtlingsunterkunft mit vier Molotowcocktails beworfen. In beiden Fällen haben die Ermittler inzwischen Verdächtige festgenommen.