Ein nigerianisches Kampfflugzeug hat Medienberichten zufolge versehentlich auf ein Flüchtlingslager gefeuert und dabei zahlreiche Menschen getötet. Unter den Toten und Verletzten seien auch örtliche Mitarbeiter des Roten Kreuzes und der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, sagte Generalmajor Lucky Irabor den Berichten zufolge. Das Internationale Rote Kreuz bestätigte, dass sechs Mitarbeiter getötet und 13 verletzt wurden.

Wie viele Menschen bei dem Angriff auf das Lager in Kala Balge nahe der Stadt Maiduguri im nordöstlichen Bundesstaat Borno insgesamt getötet oder verletzt wurden, ist noch unklar. Ein Anwohner berichtete laut AFP von mindestens 25 Toten und vielen Verletzten. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen sprach von 52 Toten und 120 Verletzten. Die Nachrichtenagentur AP berichtete dagegen unter Berufung auf einen Regierungsbeamten, dass mindestens 100 Menschen getötet wurden.

Nach Angaben des Generalmajors hatte der Luftangriff Mitgliedern der islamistischen Terrororganisation Boko Haram gegolten. Wie es zu dem falschen Ziel kam, ist unklar. Noch könne nicht von einem taktischen Fehler gesprochen werden, sagte Irabor. Zu dem Vorfall werde es eine Untersuchung geben. Es ist nicht das erste Mal, dass die nigerianische Luftwaffe bei Angriffen auf Boko Haram auch Zivilisten trifft.

Boko Haram versucht seit 2009, mit Gewalt einen islamischen Gottesstaat in Nigeria durchzusetzen. Rund 20.000 Menschen wurden in dem Konflikt getötet, mehr als 2,3 Millionen flohen vor der Gewalt. Laut dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) sind wegen der Bedrohung durch Boko Haram inzwischen etwa 1,4 Millionen Kinder auf der Flucht.

2014 weiteten die Boko-Haram-Kämpfer ihre Angriffe auf die Nachbarländer Kamerun, Niger und Tschad aus. Deren Regierungen schlossen sich daraufhin dem Kampf gegen Boko Haram an. Daher sind aus Angst vor Angriffen etwa im Nachbarland Niger 99 Schulen in sicherere Gebiete verlegt worden. Mehr als 2.000 Schulen in Nigeria, Kamerun, im Niger und im Tschad müssen aufgrund wiederholter Angriffe von Boko Haram dauerhaft geschlossen bleiben.