Die Bundesagentur für Arbeit (BA) erwartet, dass sich Menschen, die in den vergangenen Monaten nach Deutschland geflohen sind, in Zukunft auf dem Arbeitsmarkt nicht schwerer zurechtkommen werden als Migranten früherer Generationen. "Wir rechnen damit, dass im ersten Jahr zwischen acht und zehn Prozent von ihnen Arbeit finden werden, im fünften Jahr wird rund die Hälfte einen Job haben, nach 15 Jahren dann etwa 70 Prozent", sagte BA-Vorstand Raimund Becker auf einer Jobbörse für Geflüchtete in Berlin.

Damit trat er einer Schätzung von Reiner Haseloff (CDU) entgegen. Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt hatte gesagt: "Wenn wir zehn Prozent mittelfristig in Arbeit bekommen, wäre das ein Erfolg." Becker sagte, diese Einschätzung sei "zu pessimistisch".

Tatsächlich sind heute noch viele Geflüchtete arbeitslos oder absolvieren derzeit Sprach- und Integrationskurse. Doch hat ein Teil von ihnen auch schon Arbeit in Deutschland gefunden. Nach den aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hatten im Oktober 2016 rund 123.000 Menschen aus den acht wichtigsten Asylherkunftsländern eine reguläre Stelle – 43 Prozent mehr als vor einem Jahr. Zwei Fünftel von ihnen werden als Hilfskräfte etwa in der Gastronomie oder bei Speditionsunternehmen und Kurierdiensten beschäftigt.

Flüchtlinge - Einstieg mit Hindernissen Die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen läuft eher schleppend. Wo die Probleme liegen und dass es trotzdem klappen kann, zeigt das Beispiel eines mittelständischen Betriebs in Brandenburg. © Foto: ZEIT ONLINE

Im Vergleich zur Gesamtzahl der in den beiden Vorjahren nach Deutschland gekommenen Geflüchteten ist das aber noch immer ein relativ kleiner Teil. Die Bundesagentur schreibt daher in einer aktuellen Analyse: Während die Zahl der Arbeitslosen und der Hartz-IV-Bezieher unter Geflüchteten "merklich" steige, wachse die Zahl der Geflüchteten in Arbeit nur "moderat".

Die offizielle Arbeitslosenzahl sagt über die Zahl der Geflüchteten, die Arbeit suchen, derzeit nur wenig aus. Arbeitslos gemeldet waren im Dezember 164.000 Geflüchtete. Tatsächlich aber haben 425.000 Menschen mit Fluchthintergrund eine Arbeit gesucht. Dass sie derzeit noch nicht bei den Jobcentern registriert sind, liegt daran, dass sie noch Integrationskurse besuchen oder in Berufsvorbereitungskursen auf einen Job vorbereitet werden. In dieser Zeit gelten sie nicht als arbeitslos.