Die Europäische Kommission hat die Zustände in den griechischen Flüchtlingslagern als "unhaltbar" kritisiert. Trotz des kalten Wetters seien auf dem Festland und den Inseln viele Menschen in Zelten untergebracht, sagte Sprecherin Natasha Bertaud. Die Verantwortung dafür liege bei der griechischen Regierung. 

"Es gibt ein echtes Problem", räumte ein Sprecher des griechischen Ministeriums für Migrationspolitik ein. Das Ministerium macht wiederum die Kommunalverwaltungen für die Missstände verantwortlich. In Moria hätten viele Flüchtlinge nur Zelte, um sich vor dem Schnee und der Kälte in Sicherheit zu schützen. Nach Regierungsangaben sind weniger als 1.000 Menschen in Zelten betroffen. 

Dieser Zahl widerspricht jedoch die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Allein in Moria lebten derzeit 2.500 Menschen ohne heißes Wasser und ohne Heizung in Zelten, sagte ein Vertreter der Hilfsorganisation. Auf der Insel Samos seien es mehr als 300 Flüchtlinge. 

Meteorologen hatten vor heftigem Schneefall gewarnt

Heftiger Schneefall hat weite Teile des Landes erfasst, darunter auch die östlichen Ägäis-Inseln, wo Tausende Flüchtlinge und Migranten nach ihrer Überfahrt von der Türkei strandeten. Die winterliche Wetterlage hatten Meteorologen rechtzeitig vorhergesagt. Auch deshalb geriet die Regierung in Athen in die Kritik, nicht schnell genug für alle Flüchtlinge entsprechende Unterkünfte bereitgestellt zu haben.

Die griechische Regierung hatte bereits Ende Dezember angekündigt, die Situation zu verbessern. Zuvor war es in den Lagern auf den griechischen Inseln wiederholt zu Ausschreitungen und Protesten gekommen. Dort müssen alle seit dem 20. März nach Griechenland eingereisten Flüchtlinge laut dem EU-Abkommen mit der Türkei bis zur Klärung ihrer Asylansprüche bleiben.

Griechenland bringt nach Angaben der Bundesregierung allerdings mehr geflüchtete Menschen in Hotspots unter als vorgesehen. Das ging vor Kurzem aus einer Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor. Auf den Inseln Lesbos, Leros, Samos, Kos und Chios leben demnach knapp 16.000 Flüchtlinge, die im Rahmen des europäisch-türkischen Flüchtlingspakts zurück in die Türkei geschickt werden sollen. Die Kapazität reicht jedoch nur für 8.000 Menschen.