Familienangehörige von zwei Opfern des von dem Piloten Andreas Lubitz herbeigeführten Flugzeugabsturzes im März 2015 haben im US-Bundesstaat Virginia Klage gegen Lufthansa, Germanwings und die Airline United eingereicht. Sie werfen den Fluggesellschaften widerrechtliche Tötung vor.

Die US-Bürger Yvonne und ihre Tochter Emily Selke waren ums Leben gekommen, als der deutsche Pilot eine Maschine der Germanwings vor knapp zwei Jahren in den französischen Alpen abstürzen ließ. Die Frauen waren die einzigen amerikanischen Fluggäste. 149 Opfer starben.

In der Klage heißt es, Lufthansa und ihr Tochterunternehmen Germanwings hätten fahrlässig gehandelt. Die Richtlinien der Fluggesellschaften hätten vorgeschrieben, dass zu jeder Zeit zwei Crewmitglieder im Cockpit der Maschine hätten sitzen müssen. Für US-Fluglinien ist dies seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 verpflichtend.

Neben Germanwings und Lufthansa richtet sich die Klage gegen United Airlines. Die US-amerikanische Fluggesellschaft hatte die entsprechenden Flugtickets an die damaligen Passagiere verkauft.

United Airlines kündigte an, sich gegen die Klage zu wehren. Lufthansa reagierte zunächst nicht. Im April vergangenen Jahres lehnten Lufthansa und Germanwings eine Verhandlung des Falles in den USA ab. In den USA erhalten Hinterbliebene in der Regel deutlich höhere Entschädigungen als in Deutschland.

Der Pilot Andreas Lubitz hatte am 24. März 2015 den zweiten Piloten aus dem Cockpit ausgesperrt, die Türen verriegelt und den Airbus A320-211 gegen eine Bergwand in den französischen Alpen gesteuert. 149 Menschen starben. Der 27-Jährige hatte offenbar jahrelang unter Depressionen gelitten und deswegen auch Ärzte aufgesucht. Er hätte deshalb niemals zu der Flugschule zugelassen werden dürfen, hieß es in bereits vorrausgegangen Sammelklagen.

An den bisherigen Klagen haben mehrere Anwaltskanzleien aus Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien mitgearbeitet. Neben einer angemessenen Entschädigung für die Hinterbliebenen sollen die Klagen auch das Regelwerk für den Umgang mit psychischen Erkrankungen in der Luftfahrt hinterfragen. Es bestehe eine große Notwendigkeit, Piloten künftig regelmäßigen Tests zu unterziehen, um die Sicherheit der Passagiere zu gewährleisten, argumentieren die Kläger.