Christen werden laut dem Weltverfolgungsindex 2017 der Organisation Open Doors stärker verfolgt als im Jahr zuvor. Mit dem Index stellt die religiöse Organisation eine Rangliste der 50 Länder zusammen, in denen Christen Unterdrückung oder Repressionen aufgrund ihres Glaubens erfahren.

Hatte Open Doors im vergangenen Jahr von deutlich mehr als 100 Millionen verfolgten Christen gesprochen, so bezifferte die Hilfsorganisation diese Zahl jetzt aufgrund einer "Neueinschätzung" auf rund 200 Millionen. Schuld daran sei vor allem radikaler Islamismus. Aber auch ein wachsender Nationalismus in hinduistisch oder buddhistisch geprägten Staaten Asiens setze Christen massiv unter Druck, heißt es.

Erneut führt Nordkorea den Index an: Die 300.000 Christen könnten unter der Herrschaft von Kim Jong Un nur im Untergrund überleben. Etwa 70.000 von ihnen seien Folter und härtester Zwangsarbeit ausgesetzt. Auf Platz zwei folgt Somalia, wo nur einige Hundert Christen leben, die vom Islam konvertiert sind.

An dritter Stelle steht Afghanistan, gefolgt von Pakistan, wo am Ostersonntag 2016 in Lahore mehr als 50 Christen bei einem Anschlag ums Leben gekommen waren. Im Sudan (Rang fünf) lässt der islamistische Präsident Omar al-Baschir laut Bericht in den überwiegend von Christen bewohnten Nuba-Bergen Bomben abwerfen und zerstört christliche Schulen, Krankenhäuser und Kirchen.

Syrien und der Irak folgen auf den Plätzen sechs und sieben. Hier habe die systematische Vertreibung 2016 die fast 2.000 Jahre dort lebenden christlichen Gemeinschaften nahezu verschwinden lassen. 

In acht der zehn erstplatzierten und in 35 der 50 aufgeführten Länder ist der Analyse zufolge islamische Unterdrückung Ursache der Verfolgung. Für die Verschärfung macht Open Doors neben islamistischen Regimes auch Netzwerke wie Boko Haram und Al-Shabaab verantwortlich, die in ihren Gesellschaften immer mehr Einfluss gewönnen.

Sie gründeten mit Hilfe aus Saudi-Arabien Schulen mit extremistischer Prägung in Somalia, aber auch in Kenia oder Niger, schleusten Anhänger in öffentliche Ämter oder kontrollierten den Bau von Moscheen.


Verunsicherte Regierungen schüren Ressentiments

Verantwortlich für Verfolgungen sind laut der Hilfsorganisation aber auch verunsicherte Regierungen, die Ressentiments gegen religiöse Minderheiten schürten. Besonders hervorgehoben wird Indien, das erstmals auf Platz 15 zu finden ist: Unter dem seit 2014 regierenden Premier Narendra Modi und seiner religiös-nationalistischen Partei BJP verprügelten Hindu-Nationalisten Pastoren, zerstörten Kirchen und forderten Konvertiten auf, zum Hinduismus zurückzukehren.


Ähnliche Entwicklungen sieht Open Doors auch in anderen asiatischen Ländern: Buddhistisch motivierter Nationalismus führe zur systematischen Benachteiligung von Christen in Bhutan und in Sri Lanka.

Die Zahlen von Open Doors sind umstritten, weil eine exakte Definition von Verfolgung schwierig ist. Die im Index gemachten Angaben belegt die Organisation weder mit gesammelten Zahlen, noch gibt sie an, nach welchen Kriterien das Ranking erstellt wurde.

Die beiden großen Kirchen verzichten darauf, konkrete Zahlen zu nennen. Open Doors verteidigt die eigenen Statistiken. Es gehe darum, die Perspektive verfolgter Christen einzunehmen, sagte Geschäftsführer Markus Rode.