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Bislang gibt es nur ein einziges Argument, warum in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof nordafrikanische Männer ohne Begleitung offenbar besonders behandelt wurden. Es lautet: Weil's funktioniert hat. 

Das sagen Politiker, Journalisten, aber auch viele andere, die unter dem Hashtag #nafri über Linke und Linksliberale schimpfen, die angeblich die politische Korrektheit vor den Schutz des Bürgers stellen und so mit ihrer weltfremden Borniertheit der AfD weitere Wähler zuführen würden. 


Ein, nun ja, dünnes Argument wird unterlegt von einem Notstandgebrüll, das keine Experten und Debattenbeiträge hören will, sondern strammstehende Zustimmung im Angesicht des Feindes. Wer die Kölner Polizei nicht unterstützt, der hat den Schuss nicht gehört, der will seine Ideologie über die Unversehrtheit unserer Frauen stellen. Der ist gegen die Kölner Polizei. 

Ohne jede Frage: Was auf der Domplatte in Köln 2015 passiert ist, durfte sich nicht wiederholen. Und ohne eine tiefere Untersuchung wäre es unseriös, beurteilen zu wollen, was in jener Nacht unbedingt notwendig war, um das sicherzustellen. Trotzdem ist die Frage nach den Mitteln, die dafür eingesetzt wurden, weder ideologisch noch links. Im Gegenteil: In einer Welt, in der immer mehr Leute regieren, die Demokratie mit Mehrheitsdiktatur verwechseln, betrifft sie uns alle. 


Jeder von uns ist manchmal Teil einer Minderheit. Ob Stadionbesucher, Schwule, Sachsen, Haus- oder Hundebesitzer oder Erben: Sie alle sind darauf angewiesen, dass die Mehrheit keine Pauschalurteile über ihre Gruppe fällt und nicht versucht, repressiv gegen sie vorzugehen. 

Aber genau das hat die Kölner Polizei in der Silvesternacht gemacht. Auch in der Kriminalitätsbekämpfung geht es um Verhältnismäßigkeit. Sonst könnte man ja auch Fanblöcke in den Stadien abschaffen, um sichere Spiele zu garantieren. Oder in ganz Sachsen Checkpoints mit verdachtsunabhängigen Kontrollen einführen, um rassistische Übergriffe zu verhindern. 

Das geschieht aber nicht, und zwar, weil der Preis dafür zu hoch ist. Der Fußball wäre ohne Fans kein Fußball mehr, und wer weiß, auf welche Ideen die Sachsen kämen, wenn sie beim Bemmenkaufen ständig ihren Ausweis vorzeigen müssen.