Der Women's March On Washington übertrifft bisher alle Erwartungen. Die Veranstalter erhöhten schon vor Beginn der Protestveranstaltung gegen die Politik des neuen US-Präsidenten Donald Trump die erwartete Teilnehmerzahl von 200.000 auf 500.000. Sollten sich diese Angaben bewahrheiten, wäre der Marsch die bisher größte Demonstration in den USA, sogar noch vor den Protesten gegen den Vietnamkrieg 1969.

Am Samstagvormittag hätten bereits 275.000 Menschen die Washingtoner U-Bahnen und Busse genutzt, teilte das Verkehrsunternehmen WMATA mit. Das seien knapp 50 Prozent mehr als am Freitag, als Trump in der US-Hauptstadt feierlich in sein Amt eingeführt worden war.

Die gesamte geplante Route durch die US-Hauptstadt war von Hunderttausenden Demonstranten gesäumt, weshalb ein förmlicher Marsch in Richtung des Weißen Hauses nicht mehr möglich war, wie am Samstagmittag aus der Verwaltung des Hauptstadtbezirks verlautete.

Sehen Sie hier den Livestream der New York Times.

Die Veranstalter des Women's March wollen Menschen jedes Geschlechts, jeder Herkunft, jedes Alters zusammenbringen, um gegen Donald Trumps sexistische und rassistische Äußerungen und seine geplante Politik zu demonstrieren. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer trugen pinke Strickmützen; Aktivistinnen hatten dazu aufgerufen, die sogenannten pussy hats als Protest gegen Trumps locker room talk zu tragen und ein "kollektives sichtbares Statement zu zeigen". Auch in anderen amerikanischen Städten fanden Großdemonstrationen gegen Trump statt, unter  anderem in New York, Boston und Denver. In Chicago versammelten sich nach Angaben der Zeitung Chicago Tribune rund 150.000 Kritiker des neuen US-Präsidenten. Auch in zahlreichen anderen Städten weltweit gab es Solidaritätskundgebungen für den Women's March.

"Der Präsident ist nicht Amerika", sagte die Schauspielerin America Ferrera, die als Erste sprach. "Wir sind Amerika." Es sei eine "herzzerreißende Zeit, eine Frau und zugleich eine Migrantin" zu sein, sagte Ferrera, deren Eltern aus Honduras stammen. Die Teilnehmerinnen seien heute hier, um "für den Moralkodex unseres Landes" zu marschieren.

Hillary Clinton, die unterlegene Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, sprach den Teilnehmerinnen via Twitter ihren Dank aus. "Danke, dass ihr für unsere Werte aufsteht, sprecht und marschiert." Auch der ehemalige Außenminister John Kerry wurde auf der Demonstration gesehen.

Madonna ruft die Revolution aus


Einen Überraschungsauftritt hatte Madonna, die in einer emotionalen Rede den Demonstrantinnen zurief: "Welcome to the revolution of love!" Nicht nur die Frauen seien in Gefahr, sondern alle Menschen, die ein bisschen anders seien. Anschließend sang sie ihre Songs Express yourself und Human Nature.

Die berühmte Bürgerrechtlerin Angela Davis sagte, der Women's March stehe für die "Kraft des Feminismus". Sie rief zu einem gemeinsamen Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und staatliche Polizeigewalt auf.

Summer Zervos, ehemalige Kandidatin der Casting-Show The Apprentice, sagte der Washington Post: "Ich bin hier, um Gerechtigkeit zu fordern." Zervos wirft dem damaligen Juror Donald Trump sexuelle Belästigung vor. Mit ihrer Teilnahme wolle sie andere ermutigen, sich gegen Einschüchterung zu wehren.

Die Feministin Gloria Steinem erinnerte an die Proteste von Polinnen, die im vergangenen Jahr gegen eine Verschärfung des Abtreibungsgesetzes auf die Straße gegangen waren. Das habe dazu geführt, dass das Gesetz vom Parlament abgelehnt worden sei, sagte Steinem unter dem Jubel des Publikums. 

Michael Moore: Ihr müsst in die Politik gehen

Der Filmemacher Michael Moore, der schon früh vor einem Wahlsieg Trumps gewarnt hatte, forderte die Teilnehmerinnen zu politischem Engagement auf. "Ich will, dass ihr jeden einzelnen Tag euren Kongressabgeordneten anruft. Ich sage euch: Diese Anrufe werden wirken! Macht sie zu eurer täglichen Routine." Außerdem solle man sich einem Verein oder einer Gruppe anschließen. Als Beispiel nannte Moore die Familienplanungsorganisation Planned Parenthood. Vor allem aber forderte er: "Wir müssen die demokratische Partei übernehmen. Ihr müsst selbst in die Politik gehen."

Die Schauspielerin Scarlett Johansson sagte: "Ich habe Sie nicht gewählt, Präsident Trump." Sie würde ihn jedoch unterstützen, wenn er Frauen unterstütze. Sie befürchte, dass sich Amerika rückwärts bewege. Ihre zweijährige Tochter werde – anders als Trumps Tochter Ivanka – möglicherweise in einem Land aufwachsen, "in dem sie nicht selbst über ihren Körper bestimmen kann".

Donald Trump plant offenbar, die staatlichen Zuschüsse für Programme von Organisationen zu streichen, die im Ausland Schwangerschaftsabbrüche anbieten. Das berichtet das Magazin Foreign Policy unter Berufung auf Quellen im US-Kongress. Betroffen davon wäre unter anderen der internationale Arm von Planned Parenthood, die in den USA auch Abtreibungen durchführt. Die Streichung aller Mittel ist gesellschaftlich hoch umstritten, da Planned Parenthood den größten Teil seiner Ressourcen für Gesundheitsdienstleistungen aufwendet, die finanziell schwachen Frauen zugutekommen.