Die von der Terrororganisation Abu Sayyaf gesetzte Frist zur Lösegeldzahlung für einen auf den Philippinen entführten deutschen Segler ist abgelaufen. Abu Sayyaf hatte mit der Ermordung des Mannes gedroht, wenn sie nicht bis um Sonntagmorgen um acht Uhr (deutsche Zeit) 30 Millionen Pesos erhält. Das sind umgerechnet etwa 570.000 Euro.

Das Schicksal des Deutschen ist unklar. Er wird auf der Insel Jolo festgehalten. Der 70-Jährige war vor knapp vier Monaten von Islamisten entführt worden. Seine Frau wurde bei dem Überfall in den Gewässern südwestlich von den Philippinen getötet. Das philippinische Militär teilte mit, es sei nichts über eine mögliche Lösegeldzahlung bekannt. Es gebe zudem keine Hinweise darauf, dass die Geisel getötet worden sei.

Kurz vor Ablauf des Ultimatums hatte das Militär mutmaßliche Verstecke von Abu Sayyaf aus der Luft attackiert. Eine Bodenoffensive auf Jolo werde trotz der Gefahr für das Entführungsopfer vorbereitet, sagte ein Sprecher. "Die bewaffneten Kräfte werden den Feind verfolgen und die Bedingungen diktieren – und nicht umgekehrt." Die Operationen zielten nicht nur darauf, Geiseln zu retten, sondern auch, die Kapazitäten des Feindes signifikant zu schwächen.

Die philippinische Regierung bezahlt in der Regel keine Lösegelder. Vom Auswärtigen Amt in Berlin gibt es bisher keine Stellungnahme. Aus diplomatischen Kreisen hieß es, die Bundesregierung äußere sich grundsätzlich nicht zu Geiselnahmen.

Am 14. Februar hatte der deutsche Segler per Videobotschaft um Hilfe gefleht. Der Mann und seine Frau waren bereits 2008 vor der Küste Somalias von Piraten entführt worden. Damals wurden sie nach sieben Wochen freigelassen. In einem Interview kündigte das Paar an, trotzdem wieder in See stechen zu wollen. "Mein Boot ist mein Leben und ich will es nicht verlieren. Piraten und Regierungen kümmern mich nicht", sagte der Segler damals.

Abu Sayyaf versucht seit Langem, sich über Entführungen und Lösegeldzahlungen zu finanzieren. Im Jahr 2000 hatten die Extremisten elf westliche Ausländer verschleppt, darunter eine Göttinger Familie. Experten schätzen, dass die Terrorgruppe etwa 200 bis 400 Mitglieder hat. Sie war in den neunziger Jahren mit Geld von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden gegründet worden.