Hunderte Aktivisten, die monatelang gegen eine geplante Ölleitung im US-Bundesstaat North Dakota protestiert haben, sind der Räumung ihres Protestlagers zuvorgekommen und haben das Camp bereits vor Ende der angesetzten Frist verlassen. Zuvor gab es im Lager eine Abschiedszeremonie, bei der einige Protestierende Feuer legten. Nach Behördenangaben mussten eine Siebenjährige und eine 17-Jährige mit Verbrennungen in ein Krankenhaus gebracht werden. Die Polizei nahm einige Demonstranten fest.

Die Behörden hatten angeordnet, das seit mehr als sechs Monaten bestehende Camp wegen drohender Überflutungen bis zu diesem Mittwoch zu räumen. Bis zu 300 Menschen sollen das Gelände vor Fristende verlassen haben – Arm in Arm, unter Gesängen und Trommelklängen. Die Behörden hatten mehrere Busse bereitgestellt, um sie nach Bismarck, die Hauptstadt von North Dakota, zu bringen. Dort sollten sie auch vom Bundesstaat mit Essen, Unterkunft oder Tickets für eine Weiterreise versorgt werden. 

In dem Protestlager im Süden von North Dakota zwischen dem Reservat des Indianerstamms der Standing Rock Sioux' und der geplanten Pipelineroute hielten sich zeitweise Tausende Demonstranten auf. Inzwischen seien noch 50 Menschen im Lager, sagte Levi Bachmeier, ein Berater von North Dakotas Gouverneur Doug Burgum.

Zu jenen, die nicht weichen wollten, gehörte der Suchtberater Charles Whalen aus Mille Lacs in Minnesota. Er und eine Gruppe von rund 20 Aktivisten seien notfalls willens, sich festnehmen zu lassen, um ihren Standpunkt zu vertreten, erklärte er. "Passiver Widerstand. Wir werden nichts Negatives tun. Es geht um Gebet." Einige der Aktivisten wollten ihren Protest nun auf privatem Land weiterführen, sagte eine Anführerin, Phyllis Young. "Freiheit ist unsere DNA, und wir haben keine andere Wahl, als den Kampf fortzusetzen."

Der Protest der Umweltschützer und Sioux' aus den Reservaten Cheyenne River und Standing Rock richtet sich gegen den Bau des letzten Teilabschnitts der Ölleitung namens Dakota Access Pipeline unter einem Stausee am Fluss Missouri. Die Ureinwohner sehen in dem Projekt eine Bedrohung für ihre heiligen Stätten und befürchten eine Verschmutzung ihres Trinkwassers, das sie auch für ihre Riten brauchen. Die Pipeline soll Öl von North Dakota nach Illinois transportieren. Zuletzt beschäftigte der Streit die Justiz.

Dass die Pipeline überhaupt fertiggestellt wird, verdanken die beteiligten Unternehmen auch dem neuen US-Präsidenten. An seinem zweiten Tag im Weißen Haus hatte Donald Trump mit zwei Dekreten sowohl die Pipeline durch North Dakota als auch die Keystone-XL-Pipeline erneut genehmigt, nachdem sie unter seinem Vorgänger Barack Obama gestoppt worden waren. Bereits im Wahlkampf war bekannt geworden, dass Trump auch als Unternehmer im Access-Projekt involviert ist. So hatte er einst in die Pipeline-Betreiberfirma Energy Transfer Partners (ETP.N) und in die Holding Phillips 66 investiert. Nach der Wahl hatte Trump gesagt, er sei für eine Fertigstellung des Projekts. Sein Team verbreitete, dies liege im Interesse aller Amerikaner.