Die Polizei Düsseldorf hat den mutmaßlichen Täter des Rohrbombenanschlags an der S-Bahn-Station Am Wehrhahn gefasst. Das teilten die Behörden mit. Ein Richter habe Untersuchungshaft für einen 50-jährigen Mann aus dem Nachbarort Ratingen angeordnet. Weitere Details wollen die Behörden am Mittwochnachmittag bekanntgeben. Zunächst hatte Spiegel Online über die Festnahme berichtet. 

Der Mann soll zur Zeit des Anschlags, im Juli 2000, als Neonazi und Waffennarr bekannt gewesen sein. In der Nähe des Tatorts soll der Verdächtige einen Militaria-Laden gehabt haben. Auch soll der ehemalige Bundeswehrsoldat damals, unmittelbar nach der Tat, schon einmal festgenommen worden sein. Aus Mangel an Beweisen wurde er aber wieder freigelassen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Noch im Tagesverlauf soll er dem Haftrichter vorgeführt werden.

Das Attentat war eines der spektakulärsten in der jüngeren Zeit der Bundesrepublik. Von Anfang an wurde ein rechtsextremistischer Hintergrund vermutet. Bei den zehn zum Teil schwer verletzten Opfern handelte es sich um sogenannte Kontingentflüchtlinge aus Russland und der Ukraine. Sie kamen vom Deutschunterricht an einer Sprachschule. Die Rohrbombe, die um 15.04 Uhr an dem S-Bahnhof explodierte, war mit dem Sprengstoff TNT gefüllt. Eine der Frauen war schwanger. Die Splitter der Rohrbombe töteten ihr ungeborenes Kind. 

Bei Kontingentflüchtlingen handelt es sich um Juden aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Im Januar 1991 hatte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl mit dem damaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, ein Abkommen geschlossen, das jüdischen Zuwanderern eine "unbürokratische" Übersiedlung ermöglichen sollte.

Trotz gewaltigen Ermittlungsaufwands gelang es jahrelang nicht, die Tat aufzuklären. Im Sommer 2015 hatten sich für die Ermittler noch einmal neue Ansätze ergeben. Beweisstücke, darunter das deformierte Geländer, an dem die Bombe hing, sollten auf verwertbare DNA-Spuren untersucht werden. Der Geländeabschnitt, an dem die Bombe hing, war herausgeschnitten und als Asservat verwahrt worden.

Die Ermittler hatten bei dem Anschlag verschiedene Hypothesen verfolgt. Neben einer rechtsextremen Motivation hatten sie auch einen möglichen islamistischen Hintergrund überprüft. Zudem war spekuliert worden, die Tat könnte von einer mafiaartigen osteuropäischen Gruppierung begangen worden sein.

Nach Bekanntwerden der Mordserie des rechtsextremen NSU war intensiv geprüft worden, ob auch der Wehrhahn-Anschlag auf das Konto der Neonazi-Gruppe gehen könnte. Erhärten ließ sich dies nicht.  

Zuletzt hatten Staatsanwaltschaft und Polizei auf Grundlage neuer Indizien zwei Jahre lang intensiv gegen den nun Festgenommenen ermittelt. Unter anderem sei der 50-Jährige überwacht worden.