Amnesty International (AI) hält die Folgen des Flüchtlingsabkommens zwischen der Europäischen Union und der Türkei für ein "Desaster". Die Menschenrechtsorganisation warnt außerdem davor, ähnliche Vereinbarungen mit Ländern wie dem Sudan, Niger oder Libyen zu treffen.

"Es ist in extremem Maße unehrlich, dass europäische Politiker den EU-Türkei-Deal als Erfolg loben, während sie die Augen vor den unerträglich hohen Kosten für jene verschließen, die unter den Konsequenzen leiden", kritisiert die stellvertretende AI-Europadirektorin Gauri van Gulik.

"Der EU-Türkei-Deal ist ein Desaster für die Tausenden von Menschen, die in einer gefährlichen, verzweifelten und scheinbar endlosen Hängepartie auf den griechischen Inseln gestrandet sind", sagt van Gulik. Die "unrechtmäßigen Zurückweisungen" von Asylbewerbern in die Türkei seien außerdem ein Verstoß gegen internationales Recht.

Die Europäische Union hatte im März 2016 mit der Türkei vereinbart, dass Flüchtlinge, die über die östliche Ägäis in Booten nach Griechenland kommen, zurückgeschickt werden können. Allerdings haben die Menschen ein Recht darauf, vorher ihren Asylantrag prüfen zu lassen. Weil die Verfahren weit länger dauern als gedacht, wurde bisher kaum jemand zurückgeschickt. Amnesty fordert von der Politik, die Menschen auf das griechische Festland und auch in andere EU-Länder zu lassen.