Angesichts einer anhaltenden Dürre warnen Hilfsorganisationen immer eindringlicher vor einer Hungersnot in Somalia. Die Warnzeichen seien überdeutlich, sagte Martina Dase, Leiterin für Öffentlichkeitsarbeit von Save the Children Deutschland, am Sonntag. "Babys sterben. Tierkadaver säumen die Straßen. Verzweifelte Nomaden winken mit leeren Wasserkanistern."

Auch in den Nachbarländern Somalias – Äthiopien, Dschibuti, Eritrea, Kenia und Uganda – hungern viele. Allein in Äthiopien benötigen rund 5,6 Millionen Menschen dringend Lebensmittelhilfe, mehr als 9,2 Millionen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Damit die Vereinten Nationen eine Krise aber offiziell zur Hungersnot erklären, muss die Lage besonders schlimm sein. Drei Kriterien sind entscheidend: Mindestens ein Fünftel der Bevölkerung muss unter der extremsten Form von Nahrungsmittelknappheit leiden – das heißt, "Hungern, Tod und Zerstörung sind evident". Mehr als 30 Prozent der Kinder unter fünf Jahren müssen akut unterernährt sein. Und täglich müssen mindestens zwei von 10.000 Einwohnern (oder vier von 10.000 Kindern unter fünf Jahren) an den Folgen der Unterernährung sterben. Vor der aktuellen Krise waren diese Kriterien zuletzt im Jahr 2011 in Somalia erfüllt. Damals starben dort mehr als 250.000 Menschen. 

Ähnliches droht jetzt erneut in Somalia, und in drei weiteren Staaten. In Teilen des Südsudans haben die Vereinten Nationen Anfang der Woche offiziell eine Hungersnot ausgerufen. In manchen Gebieten Nigerias, die schwer zugänglich sind, seien die Kriterien dafür laut dem Frühwarnsystem für Hungersnöte (FEWS NET) ebenfalls schon jetzt wahrscheinlich erfüllt. Im Jemen sei auch mit einer Hungersnot zu rechnen.  

Noch nie brauchten so viele Menschen Nothilfe

Wie viele Menschen in Afrika insgesamt hungern, lässt sich schwer sagen – aber es sind Millionen. In Somalia sind nach Schätzungen der UN 6,2 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen, das sind mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Drei Millionen davon brauchen dringend Lebensmittel. Weitere 10,7 Millionen Menschen benötigen in den Ländern um den Tschadsee akute Hilfe. 

Angesichts dieser vielen Krisen spricht das UN-Welternährungsprogramm (WFP) von einer "beispiellosen Herausforderung" für die Weltgemeinschaft. Hungersnöte an sich seien relativ selten, "und mehrere gleichzeitig kamen in modernen Zeiten noch nicht vor." Der Bedarf an Nahrungsnothilfen im Jahr 2017 ist den Prognosen des Frühwarnnetzwerks FEWS NET zufolge so hoch wie nie zuvor.