In der Türkei sind bei landesweiten Razzien mehr als 400 mutmaßliche Mitglieder des sogenannten Islamischen Staates (IS) festgenommen worden. Wie die Nachrichtenagenturen Anadolu und Dogan berichteten, seien unter den Verdächtigen Ausländer und Extremisten, denen die Planung von Angriffen vorgeworfen wird. Die Polizeirazzien erfolgten mehr als einen Monat nach einem Anschlag auf einen Nachtclub in Istanbul, bei dem 39 Menschen starben und den der IS für sich beanspruchte.

In der Stadt Sanliurfa im Südosten der Türkei wurden demnach 150 Verdächtige festgenommen, in der nahe gelegenen Stadt Gaziantep, nicht weit entfernt von der syrischen Grenze, waren es 47. In der Hauptstadt Ankara sollen insgesamt 60 mutmaßliche Täter verhaften worden sein. Zu den Verdächtigen hätten vor allem ausländische Staatsangehörige gezählt.

Neun Festnahmen gab es wiederum in der Stadt Izmir an der Ägäisküste. Den Verdächtigen wurde vorgeworfen, nach Syrien gereist zu sein und in der Stadt Anschläge geplant zu haben. In Istanbul und in der Nachbarprovinz Kocaeli wurden 18 Menschen festgenommen, Dutzende weitere in anderen Provinzen, von Bursa im Westen bis Bingol im Osten. Die Nachrichtenagentur Anadolu geht landesweit von mehr als 420 Festnahmen aus.

In der Türkei war es im vergangenen Jahr zu mehreren Angriffen und Anschlägen gekommen, bei denen es Hunderte Opfer gab. Die Behörden machen dafür neben dem IS vor allem die verbotene Kurdische Arbeiterpartei (PKK) verantwortlich. In Syrien rücken türkische Truppen derzeit auf die vom IS gehaltene Stadt al-Bab vor. Im Zuge einer im August gestarteten Offensive der türkischen Armee in Syrien starben bislang fast 50 Soldaten, die meisten vor al-Bab.

In der Türkei wurde außerdem ein IS-Anhänger aus Bremen verhaftet. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person bestätigte der Deutschen Presse-Agentur entsprechende Medienberichte. Laut Bild.de wurde auch ein aus Hamburg stammender IS-Anhänger in der Türkei festgenommen. Nach Angaben der türkischen Zeitung Habertürk wurden die beiden in Ankara verhaftet. Sie sollen Anschläge in Europa vorbereitet haben. Die Staatsanwaltschaft in Ankara fordere bis zu 22,5 Jahre Haft. Wann der Zugriff auf die beiden Verdächtigen erfolgte, ist unklar.