Die Aufnahme unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge wird 2017 rund 3,95 Milliarden Euro kosten. Im Durchschnitt zahlen die deutschen Behörden jeden Monat 5.250 Euro pro Person. Das steht in einem Bericht des Bundesfamilienministeriums, der der Welt vorliegt

Demnach lebten zum Stichtag, dem 9. Februar, 61.893 solcher jungen Migranten, darunter 16.664 bereits Volljährige, in der Kinder- und Jugendhilfe. Laut Bundesverwaltungsamt beträgt der durchschnittliche Tagessatz pro Person 175 Euro. Damit werden sowohl die Inobhutnahme als auch anschließende Hilfen zur Erziehung abgedeckt. Wenn die Zahl der Unbegleiteten auf dem aktuellen Niveau stagnieren würde, ergäbe sich ein Betrag von etwa 3,95 Milliarden Euro für das laufende Jahr.

Wegen der besonderen Schutzverpflichtung fordert das deutsche Aufenthaltsgesetz: "Vor der Abschiebung eines unbegleiteten minderjährigen Ausländers hat sich die Behörde zu vergewissern, dass dieser im Rückkehrstaat einem Mitglied seiner Familie, einer zur Personensorge berechtigten Person oder einer geeigneten Aufnahmeeinrichtung übergeben wird." Dies geschah jedoch weder 2016 noch zuvor. 

649 Unbegleitete an den Grenzen zurückgewiesen

Im vergangenen Jahr wurde kein minderjähriger unbegleiteter Flüchtling abgeschoben, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linkspartei hervorgeht, die ebenfalls der Welt vorliegt. Das findet nicht jeder gut. Michael Kretschmer (CDU), Fraktionsvize der Union im Bundestag etwa, nannte dies "auch angesichts der hohen Kosten" nicht vermittelbar. "Wenn in Deutschland elternlose Minderjährige aus Polen oder Frankreich aufgegriffen werden, wird die Familie ausfindig gemacht, und sie werden zurück zu ihren Eltern gebracht", sagte Kretschmer. "Wenn der Unbegleitete aber aus Afghanistan oder Afrika kommt, bringen wir ihn zum Jugendamt und bereiten ihn mit großem Aufwand für die dauerhafte Einwanderung vor, selbst wenn der Jugendliche jeden Abend mit seiner Familie telefoniert."

Allerdings wurden laut der Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage im vergangenen Jahr 649 Unbegleitete an den Grenzen zurückgewiesen oder innerhalb Europas zurückgeschoben. Das ist möglich, wenn der Migrant bereits in einem anderen europäischen Staat registriert wurde, bevor er nach Deutschland weitergereist ist. 

"Unbegleitete Einreise" häufigster Grund für Inobhutnahme

Seit 2005 sind die Inobhutnahmen von unbegleitet eingereisten jungen Migranten laut Statistischem Bundesamt von 602 auf 42.309 im Jahr 2015 angestiegen. Damit ist die "unbegleitete Einreise" inzwischen der häufigste Grund für die Inobhutnahme – vor etwa Überforderung der Eltern, Drogensucht oder sexuellem Missbrauch. 

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen leben in Heimen, Wohngruppen, kommen in Pflegefamilien unter oder wohnen allein. Viele haben keinen festen Aufenthaltsstatus, sondern leben mit einer Duldung in Deutschland. Ein Großteil der Jugendlichen kommt aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Etwa 90 Prozent von ihnen sind männlich. Seit dem 1. November 2015 werden sie, wie Volljährige auch, nach einem Quotenschlüssel auf die Bundesländer verteilt.