Das pakistanische Militär hat bei Antiterrorrazzien mehrere mutmaßliche islamistische Extremisten getötet. Die Sicherheitskräfte hätten "mehr als hundert Terroristen" getötet, teilte die Armee mit. Weitere seien festgenommen worden, heißt es in der Mitteilung. Die landesweiten Razzien waren eine Reaktion auf den Selbstmordanschlag auf einen Sufi-Schrein in der Provinz Sindh am Donnerstag. Bei dem Anschlag sind nach derzeitigen Angaben der Krankenhäuser mindestens 88 Menschen getötet worden. Mindestens 250 Menschen wurden verletzt. Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannte sich zu dem Anschlag.

Ein Sprecher des Militärs kündigte zudem an, dass die Grenze zu Afghanistan "geschlossen" worden sei. Laut Behörden werden dort weitere Extremisten vermutet. Die afghanische Regierung sei aufgefordert worden, zu handeln und "76 Terroristen, die sich in Afghanistan verstecken", auszuliefern. Man werde die Aufständischen "mit aller Kraft des Staates" bekämpfen, sagte Pakistans Regierungschef Nawaz Sharif zu den Razzien.


Am Donnerstag hatte sich ein Selbstmordattentäter in dem jahrhundertealten Sufi-Schrein zwischen Gläubigern in die Luft gesprengt. Es war der folgenschwerste Anschlag in Pakistan seit dem Attentat auf eine Schule in Peschawar Ende 2014, bei dem 150 Menschen getötet wurden. Der Schrein von Lal Schahbaz Qalandar, einem muslimischen Sufi-Meister aus dem 13. Jahrhundert, gehört zu den am meisten verehrten Heiligtümern in Pakistan. Radikalsunnitische Gruppen wie der IS sehen die Anhänger der mystisch-sufistischen und als liberal geltenden Strömung im Islam als Ketzer an.


Im vergangenen November wurden bei einem Bombenattentat der IS-Dschihadisten auf einen Sufi-Schrein in der Provinz Belutschistan 50 Menschen getötet. In Pakistan verüben Islamisten immer wieder Bombenanschläge. Allein am Mittwoch sprengten sich vier Selbstmordattentäter im Nordwesten des Landes in die Luft und töteten sechs Menschen. Am Montag waren bei einem Anschlag in der Stadt Lahore 13 Menschen getötet und viele weitere verletzt worden. Viele der Terroristen gehören auch zu Dschamaat ul-Ahrar, einer Splittergruppe der Taliban. Sie kündigte weitere Anschläge an.