In Australien sind im Zeitraum von 1950 bis 2009 insgesamt 4.440 Kinder in katholischen Orden und von Priestern missbraucht worden. Das geht aus einer Erhebung der nationalen Missbrauchskommission hervor. Demnach sind in den Orden bis zu 40 Prozent der Mitglieder betroffen. Bei den Priestern sollen rund sieben Prozent in Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch verwickelt gewesen sein.

Der Untersuchung der Kommission zufolge lag das Durchschnittsalter der betroffenen Kinder bei etwa elf Jahren. Mit 90 Prozent seien Jungen die mit Abstand größte Gruppe.

In den meisten Fällen seien die Anschuldigungen folgenlos geblieben, sagte Gail Furness, leitende Rechtsanwältin der Kommission laut australischen Medienberichten. "Kinder wurden ignoriert oder, schlimmer noch, bestraft. Vorwürfe wurden nicht untersucht. Die Gemeinden oder Gemeinschaften, in die Beschuldigte versetzt wurden, wussten nichts von deren Vergangenheit."

Anthony Fisher, Erzbischof von Sydney, zeigte sich in einer ersten Stellungnahme schockiert über die Ergebnisse. "Was die Kommission bisher herausgefunden hat, ist grauenvoll." Er und die Kirche bedauerten die Verfehlungen der Vergangenheit, die so viele Opfer hinterlassen hätten. "Wir Katholiken schämen uns." Fisher wies jedoch darauf hin, dass es im Missbrauchsbericht um Anschuldigungen und angebliche Täter gehe. Es werde nicht zwischen unbestätigten Vorwürfen und rechtlich geklärten Vorgängen unterschieden.

Vertreter der Betroffenen warfen der katholischen Kirche dagegen vor, dass die Zahlen allenfalls die Untergrenze der Übergriffe abbilden würden. In Wahrheit sei die Zahl der Opfer wahrscheinlich deutlich höher. "Die Kirche hat viele Fälle vertuscht, so wie sie es seit 2.000 Jahren tut", sagte Bernard Barrett, der mit anderen seit Jahren die Missbrauchsfälle dokumentiert, dem Guardian.

Die Missbrauchskommission wurde 2013 von der australischen Regierung eingesetzt. In den kommenden drei Wochen hält sie ihre letzte Anhörung ab, in der Beweise und Daten aus den Anhörungen der vergangenen Jahre über das Verhalten von katholischen Diözesen, Orden und Institutionen bewertet werden sollen. Auch die Aussagen von Opfern und Zeugen sollen noch einmal thematisiert werden. Im Zentrum wird dabei die Frage stehen, wie die Kirche in Zukunft den sexuellen Missbrauch von Kindern verhindern will. Dazu hat die Kommission zahlreiche Bischöfe, Kirchenrechtsexperten und andere Vertreter vorgeladen.