Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) will künftig mithilfe einer Software zur Dialekterkennung die Herkunft von Asylbewerbern einfacher und sicherer feststellen. "Die Idee ist, von Asylantragstellern eine separate Sprachprobe aufzunehmen und einer automatischen Dialektanalyse zu unterziehen", sagte Julian Detzel, Referent im Bereich Grundsatzstrategie Digitalisierung und IT-Programmmanagment des Bamf, der Welt. Innerhalb der kommenden zwei Wochen wolle man mit ersten Tests beginnen. Mit einem routinemäßigen Einsatz des Systems sei aber nicht vor 2018 zu rechnen.

Das System soll den Angaben zufolge auf Technik zur Sprecherauthentifizierung basieren und speziell auf Dialekte zugeschnitten werden. Dirk Hovy, Computerlinguist an der Universität Kopenhagen, äußerte sich gegenüber der Zeitung skeptisch über die Zuverlässigkeit eines solchen Systems: "Einen perfekten Datensatz zu erstellen, ist praktisch unmöglich", schon weil sich Sprache dauernd ändere. Wenn man aber über eine breite Datenbasis verfüge, könne man zumindest eine verwendbare Annäherung schaffen. Das sei jedoch sehr aufwendig.

60 Prozent haben keine Ausweisdokumente

Mindestens 60 Prozent aller Asylbewerber in Deutschland haben nach Schätzung der Bundesregierung keine Ausweisdokumente. Wie viele Asylsuchende keine Dokumente vorlegen können, wird vom Bamf offiziell nicht erfasst – eine Statistik sei laut Bundesinnenministerium "nicht zielführend". 

Um die Identität von Asylbewerbern besser festzustellen, wird deswegen auch überlegt, ob das Bamf die Handys der Flüchtlinge auslesen darf. Bisher ist das Amt auf die Einwilligung der Asylbewerber angewiesen – das Datenauslesen von Mobiltelefonen ist nur bei Verdacht auf Straftaten möglich. Ein dafür entworfenes Gesetz soll die rechtliche Grundlage schaffen, diese Zustimmung zu umgehen. Kritiker nennen das unverhältnismäßig und bezweifeln, dass das Vorhaben mit dem Grundgesetz vereinbar ist.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte das Auslesen von Handys verteidigt. "Es ist nicht zu viel verlangt, wenn ein Staat, von dem der Betroffene Schutz begehrt, dass dann diesem Staat gegenüber wahrheitsgemäß gesagt wird, wie man heißt und woher man kommt", sagte er. Erfolge dies nicht, sei es angemessen und erforderlich, die Herkunft des Betroffenen über zusätzliche "Erkenntnisquellen" zu erschließen.

Der umstrittene Gesetzesentwurf könnte schon Ende des Monats den Bundesrat passieren. Wie die ZEIT berichtet, betreibt die Bundesregierung keine Ursachenforschung zur Frage, warum die Mehrheit der Asylbewerber sich nicht ausweisen kann. Es kämen mehrere Gründe infrage – etwa fehlendes Urkundenwesen in vielen Herkunftsstaaten oder Schlepper, die die Pässe raubten.