Muslime engagieren sich eigenen Angaben zufolge stärker in der Flüchtlingshilfe als Christen oder Atheisten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung der Bertelsmann-Stiftung. Demnach gaben 44 Prozent der befragten Muslime an, im vergangenen Jahr Flüchtlingen ehrenamtlich geholfen zu haben. Unter Christen war es gut jeder Fünfte, unter Konfessionslosen 17 Prozent. Damit seien Muslime "wichtige Brückenbauer in unserer Gesellschaft", hieß es im Religionsmonitor der Stiftung, aus dem die Daten stammen.

Das hohe Engagement von Muslimen bedeute allerdings nicht, dass sie die Flüchtlingshilfe für religiöse Einflussnahme missbrauchten. Diese Annahme sei haltlos, heißt es in der Analyse – allenfalls bei ein bis zwei Prozent der Helfer könne von einer Absicht gesprochen werden, Geflüchtete zu radikalisieren. Die große Mehrheit der Muslime werbe dagegen für eine offene Haltung gegenüber anderen Religionen.

Das Engagement werten die Studienautoren als überaus hilfreich für die Integration der Geflüchteten. Die Helfer könnten durch ihre eigenen Integrationserfahrungen und demokratischen Kompetenzen in der Flüchtlingshilfe als Vorbilder auftreten. Viele der ehrenamtlichen muslimischen Flüchtlingshelfer kämen selbst aus den Herkunftsregionen der Geflüchteten, etwa aus Ländern wie Afghanistan, Pakistan oder Bangladesch. Dadurch würden sie sprachliche, seelsorgerische wie kulturelle Kompetenzen mitbringen, die in der Arbeit mit Flüchtlingen besonders erwünscht und nun häufig erstmals wertgeschätzt würden.

Jeder fünfte Deutsche ist in der Flüchtlingshilfe aktiv

Insgesamt hat sich im vergangenen Jahr der Studie zufolge etwa ein Fünftel der deutschen Bevölkerung für Flüchtlinge engagiert. Ob sich jemand einsetzt, hängt demnach stark von der Entfernung zu einer Flüchtlingsunterkunft ab: Wer in der Nähe einer solchen Einrichtung wohne, engagiere sich deutlich häufiger als jemand, der weiter entfernt wohne. Flüchtlingsheime seien allerdings nicht nur "Stein des Anstoßes", hieß es in der Studie, sondern auch eine wichtige "Quelle für Empathie".

In der Flüchtlingshilfe engagierten sich viele Menschen, die das zuvor noch nicht getan hatten: junge Erwachsene, Menschen mit niedrigem Einkommen und Personen mit Migrationshintergrund. Über das Ehrenamt gestalteten diese Gruppen die Gesellschaft mehr und mehr aktiv mit. Auffällig sei auch das intensive Engagement der Menschen in Ostdeutschland. So engagiere sich jeder fünfte ostdeutsche Flüchtlingshelfer regelmäßig mehrmals die Woche. Unter Westdeutschen sei nur jeder zehnte so aktiv.

Der Religionsmonitor untersucht laut Bertelsmann-Stiftung anhand repräsentativer Umfragen die Rolle von Religion und religiöser Vielfalt für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. An der aktuellen Untersuchung beteiligten sich mehr als 10.000 Menschen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Großbritannien und der Türkei.