Essen - Hohe Jugendstrafen für Anschlag auf Sikhgemeinde Wegen des Sprengstoffanschlags auf ein Gebetshaus der Essener Sikhgemeinde hat das Landgericht Essen die drei 17-jährigen Angeklagten zu hohen Jugendstrafen verurteilt. Ihr Motiv war laut Gericht "Hass auf andere Religionen". © Foto: Marcel Kusch/dpa

Seit Dezember mussten sie sich wegen des Sprengstoffanschlags auf ein Gebetshaus der Sikhgemeinde vor dem Landgericht Essen verantworten, nun haben die Richter gegen die drei Jugendlichen ein Urteil gefällt: Sie verhängten Haftstrafen von sieben Jahren, sechs Jahren und neun Monaten sowie sechs Jahren, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Zwei Angeklagte wurden unter anderem wegen Mordversuchs verurteilt, der dritte wegen Verabredung zum Mord. Er war am Tatort nicht dabei gewesen.

Ihr Motiv sei Hass auf andere Religionen gewesen, befanden die Richter. Für einen unmittelbaren Kontakt zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) habe die Hauptverhandlung aber keine Anhaltspunkte ergeben.

Am 16. April 2016 hatten zwei der damals 16-Jährigen einen selbst gebastelten Sprengsatz am Eingang des Sikhtempels in Essen abgelegt, der kurz darauf detoniert war. Eine Überwachungskamera zeichnete alles auf. Ein Priester der Sikh-Religionsgemeinschaft erlitt Brandverletzungen und einen offenen Knochenbruch am Fuß, weitere Gemeindemitglieder wurden durch Glassplitter verletzt. Durch die Wucht der Explosion wurde die Eingangstür des Gebetshauses zerstört, Fensterrahmen wurden herausgerissen.

Wie der gesamte Prozess gegen die drei Angeklagten aus Essen, Gelsenkirchen und Schermbeck fand auch die Urteilsverkündung hinter verschlossenen Türen statt. Grund war das jugendliche Alter der Beschuldigten.